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    Francisco Boix - Der Fotograf von Mauthausen

    11.09.2015 - Meike von Lojewski / Barcelona für Deutsche 

    “Der Fotograf von Mauthausen” - unter diesem Beinamen wurde der Katalane Francisco Boix weltweit berühmt. Sein Leben bzw. sein Überleben im spanischen Bürgerkrieg auf Seite der republikanischen Spanier, bis hin zu seiner Verhaftung und Deportierung in das NS-Lager Mauthausen dokumentiert die eindrucksvolle Ausstellung “Más allá de Mauthausen”, die bis 18. Oktober im “Museo de Historia de Cataluña” stattfindet.

    Der Besucher lernt Boix in der Ausstellung auf drei verschiedene Weisen kennen: Zum einen durch die zahlreichen Fotografien, die er während seiner Jugend und seiner Zeit in Mauthausen sowie nach seiner Befreiung gemacht hat. Zum anderen bringen einem verschiedene Gegenstände das Leben im Lager näher. Zu ihnen gehören beispielsweise eine Reproduktion einer gestreiften Gefangenenkluft, eine Identifizierungsplakete, Briefe der Deportierten an ihre Familien, die Akkreditierung von Boix und Listen über die Toten im Lager, in der Gaskammer sowie über die spanischen Republikaner, die befreit wurden. Zuletzt erläutert eine Chronologie das Leben von Boix und eine Darstellung über die Eckdaten des Zweiten Weltkriegs hilft, die Geschehnisse zeitlich richtig einzuordnen.

    Francisco Boix, der am 14. August 1920 in Barcelona geboren wurde, fotografierte bereits als Jugendlicher für die “Juventudes Socialistas Unificadas de Cataluna”, die in ihrer Zeitschrift JULIOL 1936/1937 Aufnahmen von ihm publizieren ließ. Mit dem Sieg der Faschisten in Spanien musste er nach Frankreich fliehen, wo er im Mai 1940 in deutsche Gefangenschaft geriet. Über verschiedene Kriegsgefangenenlager wurde er schließlich am 27. Januar 1941 nach Mauthausen deportiert. Noch im Jahr 1941 begann Boix im Erkennungsdienst zu arbeiten, wo er in den darauf folgenden Jahren unter seinen Mithäftlingen, darunter auch die Spanier Antonio Garcia und Jose Cereceda, eine Art Führungsposition innehatte.

    Diese Position ermöglichte es Boix und seinen Verbündeten, unter Lebensgefahr und auf höchst spektakuläre Weise Fotonegative sowie Abzüge aus dem KZ zu schmuggeln, um der Nachwelt derart Beweise über die Dramen der Opfer zu sichern. Abenteuerliche Verstecke wie beispielsweise in Fußballschuhen während eines Spiels, das die SS gegen Angehörige der Wehrmacht oder der Luftwaffe organisiert hatte, oder Aktionen der sogenannten “Poschacher-Jungs”, die durch ihre zivile Zwangsarbeit in Steinbrüchen Kontakt zur Lokalbevölkerung aufbauen und diesen zur Rettung des Bildmaterials nutzen konnten, sind bis heute Zeichen für den Mut und die vorausblickende Weitsicht der involvierten Personen.

    Viele Bilder waren massgebliche Beweise bei den Nürnberger Prozessen gegen die Nazi-Verbrecher. So konnten viele Täter identifiziert werden. Ernst Kaltenbrunner und Albert Speer etwa, die bestritten hatten, jemals in Mauthausen gewesen zu sein, konnte dadurch und durch die Zeugenaussage von Francisco Boix das Gegenteil bewiesen werden, was zu ihrer Verurteilung beitrug.

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