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    HINTERGRUND: 23-F - Der Putsch des Antonio Tejero

    25.02.2014 - Rainer Lorson, Librería Alemana COLIBRÍ 

    Im Februar des Jahres 1981 ist die Gesamtlage in Spanien angespannt. Fünf Jahre nach dem Tod des Diktators Franco kämpft die junge Republik mit der Durchsetzung demokratischer Reformen. Dabei bleibt Verhältnis der Bevölkerung zur Politik gespalten, da die konservativen Kräfte der franquistischen Ordnung nachtrauern und um ihre Vorrechte fürchten. Zudem wird die Stabilität stark durch die hohe Inflationsrate und die ständig ansteigende Arbeitslosigkeit unterminiert, und die regelmäßigen blutigen Attentate der baskischen ETA, gegen die der junge Staat hilflos zu sein scheint, tragen ebenfalls dazu bei, die Stimmung gegen die Regierung von Adolfo Suarez anzuheizen.  
    Der junge Ministerpräsident und ehemalige Falangist bemüht sich darum, ein funktionierendes politisches System zu garantieren und für eine pluralistischere Parteienlandschaft zu sorgen, als es vor allem den Militärs vorschwebt, die ein Zweiparteiensystem favorisieren. Als Suarez entgegen einer anders lautenden, allerdings ambivalenten, Zusage die Kommunisten zu Wahlen zuläßt, verscherzt er sich mehr oder weniger die letzten Sympathie bei den Generälen, die im Hintergrund immer noch die Strippen ziehen. Dieser Umstand und zunehmende Querelen in der eigenen Partei veranlassen Suarez schließlich zum Rücktritt.
    Als sein Nachfolger soll Leopoldo Calvo Sotelo die Regierungsgeschäfte übernehmen. Da er jedoch im ersten Wahlgang nicht die erforderliche Mehrheit erreicht, soll am 23. Februar ein neuer Durchgang die Entscheidung bringen.

    Eben diesen 23. Februar haben Kräfte innerhalb des Militärs gewählt, um das bereits destabilisierte System endgültig zu Fall zu bringen und eine Militärjunta zu errichten. Die drei Hauptbeteiligten sind General Jaime Milans de Bosch, Kommandeur der Dritten Heeresgruppe Valencia, General Alfonso Armado , Generalstabschef und Vertrauter von König Juan Carlos, sowie der Kommandeur der 3. Militärgruppe der paramilitärischen Guardia Civil, Oberstleutnant Tejero.

    Um Abend des 23. Februar stürmt Tejero mit zwei Hundertschaften der Guardia Civil das spanische Parlament und setzt die dort zur Wahl des Ministerpräsidenten versammelten Regierungsmitglieder und Parlamentarier fest. Gleichzeitig marschiert das Militär unter Kommando von General Milans de Bosch in Valencia ein und ruft den Ausnahmezustand aus . Nachfolgend verucht Milans andere Führungspersönlichkeiten innerhalb der Streitkräfte auf seine Seite zu ziehen. Der mögliche Erfolg des Putsches basiert auf den zwei Grundannahmen, daß die Streitkräfte den Putsch unterstützen werden und sich der König gegen die Demokratie wenden wird. Beide Annahmen erweisen sich letztendlich als falsch, da sich beispielsweise General Juste, mit dessen Einheiten die Hauptstadt mit ihren Radio und Fernsehstationen hätte gesichert werden sollen, den Putschisten widersetzt und auch der König seinerseits die ihm zugedacht Rolle nicht spielt. Anstatt dessen nimmt er telefonisch Verbindung zu Führungsoffizieren im ganzen Land auf und bringt die unter Einsatz seiner Autorität dazu, sich nicht den Putschisten anzuschließen.

    Letztlich entscheidend ist jedoch die Fernsehansprache , die der König in der gleichen Nacht in voller Uniform als Oberbefehlshaber der Streitkräfte hält, in der er sich deutlich gegen die Putschisten positioniert, die Streitkräfte zurück in die Kasernen befiehlt und klar die spanische Verfassung verteidigt: ”Die Krone, Symbol der Beständigkeit und der Einheit des Vaterlandes, kann keine Handlungen und Aktionen hinnehmen, die bezwecken, den verfassungsmäßigen Prozess aufzuhalten, dem das spanische Volk durch ein Referendum seine Zustimmung gegeben hat.”

    Wenige Stunden später gilt der Putsch als gescheitert; der letzte, der am Morgen aufgibt und sich gewaltlos festnehmen läßt, ist Oberstleutnant Tejero, der später zusammen mit Armada und Murlans de Bosch von einem Militärgericht zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt wird (während zivilrechtlich bis auf einen Parteifunktionär niemand belangt wird). Insgesamt bewirkt der gescheiterte Putsch das Gegenteil von, dem was beabsichtigt war, denn die spanische Demokratie erfährt eine entscheidende Stärkung. Der eigentliche Sieger ist jedoch König Juan Carlos, der durch sein entschiedenes Auftreten nicht nur die junge Demokratie rettet, sondern auch den Ruf als Zögling und Marionette Francos abschütteln kann und sich die Achtung seiner Untertanen erwirbt und zu einer Popularität unter der Bevölkerung gelangt, die weit bis ins 21. Jahrhundert ungebrochen war. Rainer Lorson

    Zum Weiterlesen empfohlen seien die Bücher von Walther Bernecker, dem renommiertesten Kenner der spanischen Geschichte:
    Geschichte Spaniens im 20. Jahrhundert, C.H. Beck Verlag, €29,95
    Spanien-Handbuch -Geschichte und Gegenwart. UTB Verlag €35,90
    Spaniens Geschichte seit dem Bürgerkrieg BECK €19,95
    erhältlich/bestellbar bei Librería Alemana COLIBRÍ

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