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    HINTERGRUND: Das Thema Gewalt gegen Frauen ist in Spanien allgegenwärtig

    21.05.2008 - Clementine Kügler 

    Auf den Madrider U-Bahnhöfen hängen großformatige Plakate verletzter Frauen mit dem Motto, "wir zeigen an". Die Tageszeitungen nutzen doppelseitige Anzeigen für aktuelle Radioprogramme mit Fotos geschlagener Frauen: darüber wird geredet. Die Radio- und Fernsehnachrichten erzählen detailliert jeden neuen Fall der "violencia doméstica", der häuslichen Gewalt oder Gewalt unter Geschlechtern, die aber gemeinhin Gewalt gegen Frauen meint.

    Eines der ersten von der Regierung Zapatero erlassenen Gesetze war 2004 das gegen die Gewalt der Geschlechter, das dem ähnelt, das seit 2002 in Deutschland gilt. Der Eindruck entsteht, in Spanien würden besonders viele Frauen von ihren Männern oder Expartnern umgebracht. Ohne die Fälle verharmlosen zu wollen, erkennt man im internationalen Vergleich schnell, dass das nicht stimmt. Spanien befindet sich im unteren Drittel der europäischen Statistik. Proportional mehr Frauen sterben in England, Finnland, Dänemark oder der Schweiz von Hand ihrer Männer oder Expartner. In Spanien sind es in diesem Jahr mit dem gestrigen Fall, einer Frau aus Teneriffa, 33 Todesopfer. Gewalttätigkeit der Geschlechter beinhaltet aber auch die Männer, die von ihren Partnerinnen umgebracht werden. 2001 waren das 35 Männer in Spanien.

    Allein in Berlin sterben durchschnittlich 30 bis 40 Personen pro Jahr durch Partner, die sie einst liebten. Das Motiv ist in den allermeisten Fällen Eifersucht und zwar ebenso in Deutschland wie in Spanien. Ein Viertel der Männer, die ihre Frauen aus Eifersucht umbrachten, begeht Selbstmord. Was zugenommen hat, ist die Zahl der Anzeigen wegen Misshandlungen. Drei Prozent mehr als im Vorjahr sind bislang eingegangen. Ein Drittel der 19 000 Anzeigen stammt von Ausländerinnen. Eine neue Entwicklung zeichnet sich ab: 2006 waren es nicht mehr überwiegend die Exmänner, sondern die aktuellen Partner, die gewalttätig wurden. Offensichtlich erreicht die intensive Berichterstattung der Medien nicht ihr Ziel. Die Zahl der Todesopfer nimmt nicht ab. Statt ein Bewusstsein für die Unrechtmäßigkeit der Gewalt zu schaffen, statt abzuschrecken, wird das Thema zur Gewohnheit. Vielleicht sinkt die Hemmschwelle sogar, manch quälender und gequälter Geist fühlt sich nicht mehr allein oder schlimmer noch: holt sich Anregung, wie Nachfolgefälle besonders heftiger Grausamkeit zeigen. Das Thema darf nicht totgeschwiegen werden, aber sensationalistische Berichterstattung nutzt niemandem etwas. 

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