Barcelona
Please wait for while...
Barcelona

Barcelona für Deutsche



    HINTERGRUND: Einiges Europa: bald nur noch Vergangenheit?

    24.11.2014 - Rafael Heberling / Barcelona und Madrid für Deutsche 

    Einiges Europa: bald nur noch Vergangenheit?
    Die Populisten gegen Europa erobern mit großen Schritten das EU Parlament
    Spaniens Linkspopulisten kurz nach der Gründung schon ernste Konkurrenz zu PSOE und PP

    Um Europa und den Traum aus der EU vielleicht einmal eine einheitliche Kraft gegen die Dollar-Wirtschaft zu generieren steht es schlecht.
    Man kann es eigentlich in der Medienlandschaft bereits ablesen, was Europa vielleicht schon bald bevorsteht:
    Im Mai 1990 gründete Robert Maxwell die Wochenzeitschrift The European, die sich vorwiegend an die führenden Wirtschaftler Europas wendete.
    Robert Maxwell musste wegen seiner jüdischen Wurzeln 1940 vor den Nazis aus den Kaparten nach London fliehen, diente in der britischen Armee und wurde nach dem Krieg ein erfolgreicher Geschäftsmann und Verleger - unter anderem auch für den Springer Verlag.


    Er war als Labour Abgeordneter im britischen Parlament, ein glühender Befürworter des europäischen Gedankens und wurde von vielen Prominenten, wie Sir Peter Ustinov, unterstützt. Seine Wochenzeitschrift sollte mit über 600.000 Auflage starten, kam aber in Spitzenzeiten gerade mal auf 180.000. Die Ablehnung in der designierten Käuferschicht dürfte wohl kaum an der Sprache gescheitert sein, sprechen doch alle globalisierten Wirtschaftsunternehmen selbst in Deutschland intern Englisch. (So musste ich erst kürzlich die Continental Konferenz in Barcelona trotz 80% deutschsprachiger Besetzung auf Englisch moderieren).   Eine längst global orientierte Wirtschaft ist wohl nicht sehr an Europa interessiert. Die Zeitschrift wurde 1998 schließlich eingestellt.

    Diese globale Wirtschaft und die vielen korrupten Politiker Europas wiederum stoßen der Bevölkerung immer mehr auf: in Griechenland hat die Syriza einen erstaunlichen Erfolg bei den Wahlen, in Deutschland und Frankreich sind die rechtspopulistischen Europa-Gegner mit Marine Le Pen (Front National) und AfD (Alternative für Deutschland) auf dem Vormarsch und in Spanien, jetzt gleichsam aus dem Nichts, die Bewegung "Podemos Ya", die bei den letzten Umfragen laut Wall Street Journal auf 28% geschossen ist.

    Man kann hier einwenden, dass man die Rechtspopulisten und die Linkspopulisten über einen Kamm schert. "So unterschiedlich die politischen Standpunkte auch sein mögen, sie leben von der Unzufriedenheit mit der etablierten Politik", meint auch die Zeit online vom 9. November. Dazu kommt, dass die Wirtschaft uns auch in Deutschland immer mehr Unzufriedenheit generiert, wie man bei den zahlreichen Streiks von Bahn und Lufthansa in der letzten Zeit bemerkt; man darf aber auch die steigende Zahl derer anführen, die mit 3 Minijobs in Deutschland nicht mehr bis zum Monatsende kommen. Diese Haben es immerhin bis zu Dokumentarfilmreihen des WDR geschafft (Sendereihe: "Menschen hautnah, www.wdr.de).  All die Populisten, egal ob von rechts oder von Links, haben noch mehr gemeinsam: alle sind Anti- Europa, alle betonen, dass sie in der EU integriert bleiben wollen. Tia, was nun?

    Griechenland und Spanien haben unter den Populisten gemeinsame Ziele: sie wollen laut Wall Street Journal die wichtigsten Wirtschaftszweige wie Elektrizität und Telekommunikation verstaatlichen und den freien Warenverkehr einschränken. Nicht zuletzt ein Punkt, weshalb die spanische Wirtschaft die neue Kraft als ernste Gefahr wahrnimmt. Dies hätte auch unmittelbare Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft: Acciona, zu dem neben Bau- und Infrastrukturunternehmen auch Energiekonzerne und Telekommunikation gehören, hat sich erst vor kurzem für die marode deutsche Bauwirtschaft interessiert (und umgekehrt) und Telefonica, die gerade erst E+ und seine Derivate auf dem Telekommunikationsmarkt Deutschlands einverleibt hat (was allein 1600 deutsche Arbeitsplätze gekostet hat, viele davon in Düsseldorf /Quelle: manager-magazin 17.10.2014), sie stellen wichtige Teilnehmer im deutschen Markt dar.

    Bei den Europawahlen im vergangenen Mai sind "Podemos Ya" unter Leitung des jungen Politikwissenschaftlers Prof. Pablo Iglesias bereits kurz nach ihrer Gründung ins Europa-Parlament eingezogen. Das Treffen der beiden Parteichefs vergangenen Oktober, Paulo Iglesias von "Podemos Ya" und Alexis Tsipras von der "Syritza", zeigt bereits die enge Zusammenarbeit beider Kräfte in Europa.

    In Spanien wird in einem Jahr gewählt, Ende 2015, Anfang 2016. Die Debatte um das katalanische Referendum am vergangenen 9. November hat es bereits deutlich gezeigt, dass "Podemos Ya" große Chancen hat, Spanien demokratisch gewählt zu regieren.

    Laut aktuellen Umfragen GESOP (Gabinet d'Estudis Socials i Opinió Pública), veröffentlicht in der Tageszeitung "el periodico de Catalunya" am 21. November, ist "Podemos Ya" nach ERC und CIU auch in Katalonien bereits die "Dritte Kraft" (die in Madrid regierende PP ist nach diesem Ranking in Katalonien erst auf Platz 5).

    Laut Wall Street Journal (6.11.14) kämen die "Podemos Ya" noch vor PSOE und PP auf 28 Prozentpunkte, was laut Zeit online (9.11.14) einer politischen Erruption in Spanien gleich käme. "In der Geschichte der spanischen Demokratie", so Zeit online, "in der sich immer nur zwei Parteien an der Macht abwechselten, kommt das einem politischen Erdbeben gleich."

     

     

    Weitere Infos zum Thema:
    http://www.elperiodico.com/es/noticias/politica/barometro-catalunya-gesop-noviembre-3706164
    http://www.wsj.de/nachrichten/SB11186790908283423711204580259953576818906
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-11/podemos-pablo-iglesias-spanien

    Kommentare (0) :

    Artikel kommentieren
    Artikel-Archiv
    • 15.01.2018 [Kommentare: 0]

      Ummeldung eines Autos „zwischen“ Deutschland und Spanien

      Laut Zahlen von 2012 lassen jedes Jahr Bürger und Unternehmen in der EU etwa 3,5 Millionen Fahrzeuge in einem anderen Mitgliedstaat zu. Im Jahr 2012 begann ein Projekt, mit dem die EU-Kommission die Regeln zur Kfz-Zulassung in allen EU-Mitgliedsstaaten vereinheitlichen und vereinfachen wollte. Die EU-Kommission bezifferte das.. Artikel weiterlesen

    • 28.12.2017 [Kommentare: 0]

      Eine Ausstellung gegen das Vergessen – Das Hipercor-Attentat von 1987

      Seit dem 15. Dezember 2017 ist im „Espacio Zero“ in Barcelona eine Ausstellung zur Erinnerung an das Attentat in einem Hipercor-Markt zu sehen. Am 19. Juni 1987 explodierte um 16:08 Uhr eine Autobombe in der ersten Etage des Parkhauses des Einkaufszentrums Hipercor San Andreu. Dabei starben insgesamt 21 Personen und 46 weitere wurden.. Artikel weiterlesen

    • 11.12.2017 [Kommentare: 0]

      Madrid und Barcelona verhandeln mit „Uber“ und „Cabify“ über eine neue Lizenz

      Madrid und Barcelona planen eine spezielle, zweite Lizenz für Mietwagen mit Fahrer, wie der Service von „Uber“ und „Cabify“ häufig offiziell genannt wird. Auf diese Weise hoffen die Städte eine der wichtigsten Forderungen der regulären Taxifahrer zu erfüllen, denn diese hatten Ende November für 24 Stunden gestreikt, und in diesem.. Artikel weiterlesen

    • 29.11.2017 [Kommentare: 0]

      Maßnahmen gegen die Gewalt an Frauen

      Allein in Barcelona sind seit November 2016 drei Frauen und ein Baby ermordet worden, ein weiteres ungeborenes Baby wurde durch einen Mordversuch nur vier Monate alt. Sie alle wurden Opfer häuslicher Gewalt.31 Prozent der Frauen, die in Barcelona leben, haben im Laufe ihres Lebens schon einmal schwere häusliche Gewalt erlebt. Die.. Artikel weiterlesen

    • 20.11.2017 [Kommentare: 0]

      Fast 40 Prozent der Spanier werden im Jahr 2050 älter als 65 Jahre sein

      In weniger als dreißig Jahren werden fast vierzig Prozent der Bevölkerung in Spanien, Japan, Korea, Griechenland und Portugal über 65 Jahre alt sein. Für das Jahr 2050 wird sogar erwartet, dass die Anzahl der 80-jährigen Personen in Spanien noch einmal um das Doppelte steigen wird. In Italien, Deutschland und Portugal wird von den.. Artikel weiterlesen

    • 20.10.2017 [Kommentare: 0]

      Friedhöfe in Barcelona: ein düsterer Zauber

      Die Friedhöfe von Barcelona strahlen ihren ganz eigenen Charme aus und sind weit mehr als gruselig: Neben der Kunst, die sich in Form von Statuen und Monumenten auf den Friedhöfen befindet, sind mittlerweile auch die Friedhöfe selbst zu Teilen von Literatur und Film geworden. Die berühmtesten der neun Friedhöfe sind der Cementerio.. Artikel weiterlesen

    • 16.10.2017 [Kommentare: 0]

      Wohin mit alten Möbeln und Sperrgut?

      Was passiert mit alten Möbeln, die sich nicht mehr verkaufen oder verschenken lassen? Auch in Barcelona gibt es verschiedene Möglichkeiten, alte Möbel und Sperrmüll ordnungsgemäß zu entsorgen: Um die korrekte Entsorgung zu erleichtern, gibt es für jede Straße in Barcelona einen eigenen Tag zur kostenlosen Abholung von alten Möbeln... Artikel weiterlesen

    • 25.09.2017 [Kommentare: 0]

      Schafe und Ziegen unterstützen spanische Feuerwehr

      Immer wieder sorgen Waldbrände auf der iberischen Halbinsel und insbesondere in Spanien für gewaltige Schäden. Um den verheerenden Feuern vorzubeugen, wurde in Katalonien nun ein neues Pilotprogramm gestartet: Dabei kommen Schafe und Ziegen als Feuerwehrleute zum Einsatz. Fressen gegen Flammen. Der Job der Paarhufer: Sie müssen tun, was.. Artikel weiterlesen

    • 13.09.2017 [Kommentare: 0]

      Neuerungen bei Nachnamen in Spanien

      Dass die Spanier zwei Nachnamen haben, ist weithin bekannt: Dadurch gibt es zwar unendlich viele Kombinationen, doch einige wenige Namen, die dominieren. Ein neues Gesetz, das die spanische Regierung diesen Sommer erlassen hat, soll nun für mehr Abwechslung in der Namenslandschaft sorgen. Systemänderung: Nachname der Mutter gleichrangig.. Artikel weiterlesen

    • 03.08.2017 [Kommentare: 0]

      Wo die Vitamine wachsen: Gewächshäuser bei Almería

      Egal ob in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder in Spanien: Wer in der Obst- und Gemüseabteilung auf das Etikett sieht, stellt fest, dass dort meist Spanien als Herkunftsland angegeben wird. Kein Wunder, denn ein Drittel des in der EU produzierten Obsts stammt aus Spanien, das mit 942 000 Hektar Agrarfläche der größte Obstanbauer in.. Artikel weiterlesen