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    HINTERGRUND: Patrick Süskind: Das Parfum

    03.08.2010 - Tanja Nause 

    "Nadie sabe lo bueno que es realmente este perfume, pensó. Nadie sabe lo bien hecho que está. ... El único que conocerá siempre su verdadera belleza soy yo, porque lo he hecho yo mismo.“
    „Niemand weiß, wie gut dieses Parfum wirklich ist, dachte er. Niemand weiß, wie gut es gemacht ist. ... Der einzige, der es jemals in seiner wirklichen Schönheit erkannt hat, bin ich, weil ich selbst es geschaffen habe.“

    Welches Buch könnte die Serie der deutschsprachigen, ins Spanische übersetzten Literatur hier wohl treffender eröffnen, als der internationale deutsche Bestseller der letzten Jahrzehnte überhaupt: Patrick Süskinds "Das Parfum"? Der Roman erschien 1985 bei Diogenes, nachdem mehrere deutsche Verlage die Veröffentlichung abgelehnt hatten. Die Lektoren dieser Verlage müssen sich jetzt allerdings sagen, dass sie sich mit dieser Ablehnung inzwischen um die 15 Millionen verkaufte Exemplare durch die Lappen haben gehen lassen...

    "Das Parfum" erzählt die Geschichte des Serienmörders Jean-Baptiste Grenouille: Ohne eigenen Körpergeruch ist Grenouille dafür mit einer ganz besonders feinen Nase ausgestattet. Vom stinkenden Pariser Fischmarkt neben dem „Friedhof der Unschuldigen“, an dem Grenouille 1738 geboren wird, bis hin zum „absoluten“ Duft, den er herstellen und mit dem er die Menschen beherrschen will – alles dreht sich in diesem Buch um Gerüche. Nachdem Grenouille die manipulative Wirkung von Gerüchen erkannt und das Handwerk des Parfumeurs erlernt hat, destilliert er das Parfum. Vierundzwanzig junge Frauen dienen ihm als Lieferantinnen für diesen absoluten Duft. Grenouilles Hinrichtung gerät unter dem betörenden Einfluss des Parfums zur Massenorgie, der Rest des Destillats berauscht die Menschen schließlich derart, dass sie ihn, den Mörder, buchstäblich zu Tode lieben. Soweit, vereinfacht, die Handlung.

    Doch der Roman ist, auf den zweiten Blick, weit vielschichtiger. Denn wir lassen uns nicht nur die Geschichte einer wahnwitzigen Idee (des „absoluten“ Dufts) und deren schrecklicher Umsetzung erzählen. Daneben gibt es zahlreiche, mehr oder weniger deutliche Anspielungen auf andere Werke, Texte und die Bibel, die ich hier gar nicht alle ausführen kann. Und mehr noch: die Bemerkungen und Reflexionen Grenouilles können als ironisch gebrochene Kommentare auf den Roman "Das Parfum" selbst gelesen werden, was der Lektüre einen ganz besonderen Reiz gibt: „Er hatte sein Bestes gegeben. Er hatte all seine Kunstfertigkeit aufgebracht. Kein Fehler war ihm unterlaufen. Das Werk war einzigartig. Es würde von Erfolg gekrönt sein“ (277).

    Das Parfum ist Allegorie und Satire auf den Geniekult zugleich: „Niemand weiß, wie gut dieses Parfum wirklich ist, dachte er. Niemand weiß, wie gut es gemacht ist. ... Der einzige, der es jemals in seiner wirklichen Schönheit erkannt hat, bin ich, weil ich selbst es geschaffen habe“ (316). Grenouille scheitert letztlich an seinem Schöpfungswahn und Allmachtsanspruch: „Nur eines konnte diese Macht nicht: sie konnte ihn nicht vor sich selber riechen lassen. Und mochte er auch vor der Welt durch sein Parfum erscheinen als ein Gott – wenn er sich selbst nicht riechen konnte ... so pfiff er drauf, auf die Welt, auf sich selbst, auf das Parfum“ (316). Der absolute Duft kann aus Grenouille keinen wirklichen Menschen machen. Er verführt die anderen bloß. Ebenso, wie "Das Parfum" seine Leser verführt.

    Von dem 1949 in Ambach am Starnberger See geborenen Autor dieses literarischen Meisterwerks weiß man eigentlich recht wenig. Patrick Süskind verweigert sich dem Literaturbetrieb weitgehend, gibt fast keine Interviews, tritt nicht öffentlich auf und es gibt auch kaum Fotos von ihm – übrigens eine Gemeinsamkeit mit dem deutschen Schriftsteller und Comic-Zeichner Walter Moers (u.a. Die Stadt der träumenden Bücher – La ciudad de los libros soñadores, doch davon ein andermal). 1981 veröffentlichte Süskind das sehr erfolgreiche Theaterstück Der Kontrabaß (El Contrabajo, übersetzt von Pilar Giralt Gorina). Er schrieb daneben zahlreiche Drehbücher und war an fast allen Erfolgen seines Freundes Helmut Dietl beteiligt (Monaco Franze, Kir Royal, Rossini).

    "Das Parfum" wurde in 46 Sprachen übersetzt und 2006 von Tom Tykwer - teilweise übrigens in Barcelona - verfilmt. Die spanische Übersetzung stammt von Pilar Giralt Gorina. Ich möchte dieses Buch allen ans Herz legen: denen, die es noch nicht kennen sollten, und die zwischen deutscher und spanischer Ausgabe wählen können – dann auch denen, die es schon gelesen haben, die aber ihr Spanisch verbessern wollen. Sie finden in der Übersetzung "El Perfume" eine sprachlich machbare und gleichzeitig wirklich gute, spannende Lektüre. Selbstverständlich kann man – wie ich – auch einfach die deutsche Ausgabe nochmals lesen!

    Hier können Sie das Buch kaufen:

    http://www.barcelonafuerdeutsche.com/index.php?seccion=adressverzeichnis&accion=submenu&categoryid=32&subcategoryid=144&actual=1Buch kaufen
    (spanische Ausgabe):
    http://www.madridfuerdeutsche.com/index.php?seccion=adressverzeichnis&accion=submenu&categoryid=23&subcategoryid=33&actual=1

    Fanpages:
    http://www.parfumfan.de
    http://parfum.sockenpaarung.de/index2.htm

    Film zum Buch: http://www.parfum.film.de/

    Für den Unterricht (Seite der Deutschen Schule Barcelona):
    http://www.dsbarcelona.com/exunterr/deutsch/parfum/Grundger.htm

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