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Barcelona für Deutsche



    HINTERGRUND: Silvester in Spanien

    03.01.2014 - Barcelona für Deutsche 

    Der Prototyp des Silvesterfeiernden hält ein Glas Sekt in der Hand und seine Augen gen Himmel. Gerne zündelt er auch konzentriert an diversen, häufig brüchigen Zündstümmeln - so findet man ihn auf allen Kontinenten. Der spanische Silvesterfeiernde verrät sich jedoch durch zwölf kleine Besonderheiten: Weintrauben. Tags zuvor konnte man ihn noch im Supermarkt beobachten, wo er das Obst fertig abgepackt in einem Plastiksektbecher oder einer Konserve erstand - inzwischen sogar ohne Kerne.

    Nun werden große Erwartungen an die unschuldige Frucht gestellt, denn jede Traube steht für einen Wunsch, einer für jeden Monat im neuen Jahr. Bevor diese in Erfüllung gehen, muss das Obst jedoch noch vertilgt werden. Vertilgt - denn mit Genuss hat es nichts gemein: Bei jedem der zwölf Glockenschläge um Mitternacht ist eine zu schlucken. Das verlangt Technik und Wille, doch gelingt es nicht, so bleiben die Wünsche unerfüllt.

    Im Magen sind die Trauben nicht allein, denn zuvor hatte der spanische Silvesterfeiernde bereits ein ausgiebiges Mahl im Kreis der Familie. Häufig bleibt man auch bis zwölf zuhause und verfolgt die zwölf Glockenschläge vor der Mattscheibe. Landesweit übertragen werden sie von der Puerta del Sol, deren Hektik jedoch auch viele Madrilenen gerne fernbleiben. Die Menschenmassen sind - hat man es überhaupt erst einmal auf den Platz geschafft, bevor die Polizei ihn abriegelt - in jedem Jahr aufs Neue der Albtraum jedes Klaustrophobikers.

    Feuerwerk spielt insgesamt eine wesentlich geringere Rolle als in Deutschland, wo dafür Millionen Euro ausgegeben werden. Wichtiger als knallen ist trinken und essen.
    Sind die Trauben also geschluckt - ob vor dem Fernseher oder im Stadtkern - treten auch die Sektgläser in Aktion: Die Tradition sieht wie in Deutschland das Anstoßen mit Cava vor, bevor es vor allem die jungen Leute in die Diskotheken zieht. Einige teure Clubs bieten gegen Morgen gleich auch ein deftiges Frühstück an, um dem Kater rechtzeitig die Krallen zu ziehen. Viele versuchen auch mit Hilfe von Chocolate con Churros einem dicken Kopf aktiv, aber meist erfolglos entgegenzutreten.

    Wo sich der Prototyp des Silvesterfeiernden in Spanien also noch durch zwölf Weintrauben von anderen abhebt, so vereinen die Silvestergeschädigten aller Länder wieder zwei Utensilien: Wasserglas und Kopfschmerztabletten. In Katalonien versuchen viele den Kater mit einem Bad im Meer zu bekämpfen und damit das Jahr gut anzufangen.

    "Barcelona für Deutsche" wünscht allen, egal, wo sie sind und wie sie feiern, ein wunderschönes neues Jahr!

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