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Barcelona für Deutsche



    Interview mit Sarah Kusnadi, eine deutschsprachige Unternehmerin in Barcelona

    28.04.2015 - Barcelona für Deutsche 

    Was macht Ihr Unternehmen?
    Ich habe vor wenigen Monaten einen Online-shop für Kamera-Accessoires gegründet
    (www.cameragems.com). CameraGems hat modische Kamerataschen, Kameragurte und
    diverse Accessoires im Angebot und ist dreisprachig (Spanisch, Deutsch und Englisch).

    Wie entstand Ihre Unternehmensidee?
    Ich habe vor ein paar Jahren angefangen, mich für die Fotografie zu interessieren, eine
    Spiegelreflexkamera gekauft und dann schnell gemerkt, dass das Angebot an schönen und
    erschwinglichen Taschen und Gurten sehr bescheiden ist. Vor allem hier in Spanien gibt es
    eigentlich nicht wirklich Online-shops mit ansprechendem Angebot moderner, eben auch
    femininer Artikel. Ich habe versucht, vor Ort fündig zu werden aber das Einzige, was man
    bekommt, sind diese typischen, schwarzen Gurte und Taschen aus Trekkingmaterial. Viele
    wissen gar nicht, dass es wunderschöne, farbenfrohe Accessoires für Kameras gibt. Aus der
    eigenen „Not“ ist dann quasi die Geschäftsidee entsprungen.

    Warum haben Sie sich in Katalonien/Spanien niedergelassen?
    Ich hatte Freunde in Barcelona und kannte die Stadt von Besuchen. Es war quasi Liebe auf
    den ersten Besuch. 2007 habe ich dann Erasmus hier gemacht. Da habe ich schon
    entschieden, nach meinem Studium hierherzukommen und habe dann auch die
    Diplomarbeit in Barcelona geschrieben. Das war 2009. Seitdem lebe ich sehr glücklich hier
    und naja, die Liebe tat dann sein Übriges.

    Was war für Sie größte Herausforderung zu Beginn?
    Wahrscheinlich die Sprache...mein Spanisch war anfangs noch nicht so gut, das hat
    manchmal zu Missverständnissen geführt. Und vielleicht auch der Alltag. Barcelona ist eine
    Stadt die niemals schläft, wenn man nicht aufpasst, ist man plötzlich 45 und immer noch
    am Feiern.

    Sprechen Sie Katalanisch/Spanisch?
    Ich würde sagen, ich spreche mittlerweile fliessend Spanisch. Katalanisch verstehe ich
    vielleicht zu 80%, spreche es aber nicht.

    Wo entstehen die meisten geschäftlichen Kontakte?
    Durch Mund-zu-Mund-Propaganda, persönliche Kontakte und natürlich Internet.

    Wie wirkt sich die verordnete Zweisprachigkeit auf Ihre Firma aus?
    Mein Online-shop wird momentan auf Spanisch, Deutsch und Englisch angeboten, weil dies
    die Sprachen sind, die ich auch selber beherrsche. Katalanisch habe ich erst einmal nicht
    eingeplant, einfach aus dem Grunde, dass ich für jede Übersetzung und neuen Text fremde
    Hilfe benötigen würde.

    Was raten Sie jemanden, der in Katalonien/Spanien eine Firma gründen will?
    Auf jeden Fall fortgeschrittene Sprachkenntnisse, es darf wirklich niemand erwarten, hier
    nur mit Englisch irgendwie durchzukommen. Die Bürokratie ist hier ganz schön kompliziert.
    Gute Kontakte sind unheimlich wichtig und Durchhaltevermögen sowie die Bereitschaft,
    sich mit Mentalitätsunterschieden zu arrangieren.

    Welcher Unterschied zu Deutschland fällt Ihnen hier am meisten auf?
    Deutschland ist ein Land, welches sich eher an Normen und Regeln hält. Das ist hier
    anders. Da ist eine „Absprache“ eher eine Empfehlung als eine Verpflichtung. Hier wird viel
    mehr Wert auf gegenseitiges Vertrauen gelegt und ohne persönliche Beziehungen und
    Kontakte kommt man hier schwer voran.

    Was mögen Sie besonders an den Katalanen/Spaniern?
    Wenn man erst einmal mit Katalanen warm geworden ist, schätze ich besonders ihre
    Gastfreundlichkeit und das herzliche und hilfsbereite Wesen. Katalanen sind nämlich besser
    als ihr Ruf. Ich mag an Barcelona, dass es so international ist und man viele tolle undinteressante Menschen kennenlernt, viele kreative Menschen. Und das Klima ist
    unschlagbar. Ich staune darüber immer noch.

    Gibt es etwas, das Sie hier stört?
    Klar, aber ich glaube, es stören einen immer Kleinigkeiten, egal wo man nun gerade lebt.
    Die Korruption und Arbeitslosigkeit sind wahrscheinlich zwei der Dinge, die mich am
    meisten stören.

    Nennen Sie uns einige deutsche Marotten, die Sie nicht ablegen können.
    Jeden Tag als erstes aus dem Fenster schauen und das Wetter „checken“, der Drang, nach
    draussen zu gehen, wenn die Sonne scheint, Frühstücken, Apfelschorle selber mixen.

    Können Sie ein Restaurant/ Bar empfehlen?
    Foc i Oli in Calle Aribau 91. Dort gibt es die besten Bocadillos und Hamburger, ausserdem
    als Spezialität das uruguayische Chivito. Das Lokal ist sehr klein und immer voll, die
    Bedienung unheimlich nett und das Essen superlecker.

    Haben Sie eine Hotelempfehlung?
    Vielleicht Hotel Praktik Bakery, da gehe ich manchmal einen Kaffee trinken und es schaut
    sehr nett aus.

    Was ist Ihr liebster Platz in Barcelona?
    Oh, das ist schwierig, da gibt es so viele...Ich fahre gern zum Spazierengehen in den Wald
    im Collserola, Gracia ist eines meiner Lieblingsstadtviertel, Montgat mein Lieblingsstrand in
    der Nähe von Barcelona.

    Was vermissen Sie am meisten aus Ihrer Heimat?
    Meine Familie und Freunde. Und Brot.

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