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Barcelona für Deutsche



    LESENSWERT: Eine über 50-jährige Spanisch - Österreichische Freundschaft

    24.06.2013 - Eva Centellas und Philipp Dyckerhoff / Barcelona für Deutsche 

    Im August 1949 kam eine Gruppe von österreichischen Kindern nach Spanien um hier einige Monate zu verbringen und so den zweiten Weltkrieg hinter sich zu lassen.

    Unter diesen Kindern war der kleine Werner, gerade 11 Jahre alt. Die Familie Genescà-Vila, bestehend aus dem Ehepaar Antonio und Teresa und ihren zwei Kindern Juan und Jordi, nahmen ihn in ihrem Haus in Sabadell für fast ein ganzes Jahr auf.

    Während seiner Zeit in Sabadell ging Werner in die „Escuela Pía“ (genannt auch „los escolapios“), zusammen mit den anderen österreichischen Kindern.. Der Unterricht fand auf Deutsch statt. In der Schule lernte er u.a. auch etwas Spanisch, Katalanisch und auch Englisch.

    Die Söhne der Familie Genescà erinnern sich, dass immer wenn die Sirene einer der Fabriken in der Nähe ertönte, Werner sich unter dem Bett versteckte, weil er Angst hatte. Die Sirene erinnerte ihn an den Krieg. Juan und Jordí erzählen auch, dass Werner ihnen das typisch deutsche Weihnachtslied „O Tannenbaum“ beibrachte. Werner begleitete die Familie Genescà auch bei ihren gelegentlichen Ferienreisen nach Moiá.

    Werner kehrte am 17. Oktober 1950 nach Österreich zurück. Er erinnert sich, dass Teresa Genescà ihn während seines Aufenthalts in Sabadell wie einen weiteren Sohn behandelte. Sie war für ihn wie eine Mutter. Werner versprach der Mutter von Juan und Jordí, dass er ihr seine Ehefrau vorstellen würden, wenn er einmal heiraten würde. Und er hielt sein Versprechen.

    Gegen Ende der siebziger Jahre besuchte Werner mit seiner Frau Sussi Sabadell um sie der Familie Genescà vorzustellen. Dank der Hinweise der Nachbarn fand Werner schließlich das Haus der Familie Genescà wieder. Als Teresa Genescà die Tür öffnete, sah sie einen Mann mit einem Strauss Blumen, der ihr sagte: „I am Werner, Werner!“ und sofort wusste sie, fast 30 Jahre später, dass es sich um „ihren“ Werner handelte. Beide waren sehr gerührt. Noch mehr bewegt war Werner als er in das Esszimmer trat und ein Foto von Juan, Jordí und ihm selbst sah, das damals vor knapp 30 Jahren bei seinem ersten Aufenthalt in Sabadell aufgenommen worden war.

    Das Ehepaar Genescà, nun schon ältere Leute, rief ihre Söhne Juan und Jordí an, damit sie Werner und seine Frau begrüßen könnten. Das Wiedersehen wurde mit einem großen Essen gefeiert, das alle in sehr guter Erinnerung behielten.

    Seit diesem Treffen haben die beiden Familien immer den Kontakt gehalten, erst durch Briefe und Postkarten und später auch per Email. Zu Weihnachten schickte Werner immer eine Weihnachtskarte, nicht ein einziges Mal hat er den Weihnachtsgruss vergessen.

    Im Juni 2012 kam Werner wieder nach Sabadell. Ein wesentlicher Grund dieses Besuches war, einen Strauss Blumen am Grab von Teresa und Antonio Genescà niederzulegen. Gleich nach seiner Ankunft bat er darum, einen Blumenladen aufzusuchen um einen Strauss Blumen kaufen und ihn zu dem Grab bringen zu können. Ein weiterer Grund seines Besuches war, die ganze Familie von Teresa und Antonio Genescà kennen zu lernen, die mittlerweile stark gewachsen war: auch die Enkel von Teresa und Antonio waren schon verheiratet und hatten Kinder, insgesamt waren es nun 24 Familienmitglieder, von denen Werner die meisten noch nicht kannte. Dieser erneute Besuch Werners wurde mit einem großen Essen in der Familie gefeiert. Werner freute sich sehr, die Familie Genescà wieder zu sehen, da er sich Juan und Jordí doch wie ein Bruder verbunden fühlte.

    Die Familie Mischinger und die Familie Genescà pflegen auch weiterhin einen intensiven Kontakt.

    Barcelona für Deutsche dankt der Familie Genescà, insbesondere Juan, und der Familie Mischinger, insbesondere Werner, dass sie uns diese schöne Geschichte zur Veröffentlichung gegeben haben. Wir möchten diese Geschichte auch als Anregung verstanden wissen, uns weitere Geschichten, die sich „zwischen“ Spaniern und Deutschen ereignet haben, zur Veröffentlichung zu schicken.

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