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    NUTZWERT: Junge Mädchen in der frauenärztlichen Sprechstunde

    02.07.2013 - Dr. Kamilla Hallier, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe 

    In meiner Sprechstunde begegnet mir häufig die Frage, wann ein junges Mädchen sich erstmalig in der gynäkologischen Sprechstunde vorstellen sollte. In der Tat ist diese Frage nicht so leicht zu beantworten, da es sozusagen den passenden Zeitpunkt nicht gibt. Jedes Mädchen entwickelt sich körperlich und psychisch sehr individuell. Es scheint mir von daher nicht sinnvoll, diese Frage mit einer Altersangabe zu beantworten.

    Wann sollte also der Erstkontakt mit einer Gynäkologin bzw. einem Gynäkologen stattfinden?
    Erfahrungsgemäß ist es sinnvoll, dass ein junges Mädchen die gynäkologische Sprechstunde aufsucht, bevor es ein „konkretes Problem“ hat, aber vielleicht Fragen bestehen, beispielsweise zur Menstruation.
    Der Erstkontakt sollte unbedingt ein positives Bild hinterlassen. Auch wenn Eltern ihre Töchter weiterhin als „Kinder“ sehen, so möchten die Mädchen doch als „Frau“ wahr- und ernstgenommen werden. Auch wenn also keine akute medizinische Fragestellung besteht, so erhält die junge Patientin dadurch Raum, um zum einen die Angst vor der gynäkologischen Untersuchung zu verlieren, zum anderen die Möglichkeit über Dinge zu sprechen, die sie vielleicht mir ihrer Mutter nicht besprechen möchte. Letzteres ist ein natürliches Verhalten, da die Zeit der Pubertät ja auch eine Zeit der Abgrenzung ist.
    Die Konsultation gibt dem Mädchen ausserdem die Möglichkeit mit der Frauenärztin bzw. dem Frauenarzt ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, so dass sie im Bedarfsfall eine kompetente Ansprechperson ausserhalb des Elternhauses hat. Denn möchte ein Mädchen sich in so einer Situation den Eltern nicht anvertrauen, holt es sich häufig gutgemeinte Ratschläge von gleichaltrigen Freundinnen, die nicht immer sinnvoll oder hilfreich sind.

    Wie könnten Fragen aussehen, die in der „Mädchensprechstunde“ Thema sind?
    Was ist der weibliche Zyklus – wie kommt es zur Menstruation?
    Wie sieht die „innere“Anatomie er Frau aus?
    Kann ich als Jungfrau einen Tampon benutzen?
    Was sind sexuell übertragbare Krankheiten und wie kann man sich davor schützen?
    Wie kann man sich vor dem HIV schützen?
    Wie funktioniert die Anti-Baby-Pille?
    Fragen zu Liebe, Sexualität und Verhütung können Thema sein, aber auch konkrete Fragen wie Behandlung von Menstruationsschmerzen, starken Blutungen etc.
    Ausserdem sollte die Patientin über die Möglichkeit und Empfehlung der HPV-Impfung aufgeklärt werden.

    Wie sollte das Sprechstunden-setting sein?
    Das Mädchen sollte darüber entscheiden, ob sie lieber zu einem weiblichen oder zu einem männlichen Frauenarzt gehen möchte. Sie sollte auch darüber entscheiden, ob sie alleine in die Sprechstunde geht oder ob eine vertraute Person (die Mutter, eine Tante, eine Freundin oder der Freund ) sie in die Praxis begleiten soll, auch ob diese Person mit ins Sprechstundenzimmer kommt und ob sie bei der Untersuchung (falls diese überhaupt notwendig und/oder gewünscht sein sollte) dabei sein sollte.
    Sie sollte wissen – und viele Frauenärzte weisen auch zu Beginn der Sprechstunde explizit darauf hin - dass der Arzt der Schweigepflicht unterliegt und auch der Mutter keine Auskunft über Gespräch oder Ergebnis der Untersuchung ohne Einverständnis der Patientin geben darf. Auch wenn das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter sehr gut sein mag, kann diese Information für die Patientin wertvoll sein, da sie ihre Intimsphäre gewahrt weiss und selbst darüber entscheiden kann, wieviel sie ausserhalb der Praxis darüber erzählen möchte.

    Wie sieht so eine Sprechstunde aus?
    Nachdem die junge Patientin den Grund ihres Besuchs erläutert hat, wird die Frauenärztin bzw. der Frauenarzt zunächst eine ausführliche Anamnese erheben, d.h. die bisherige Krankengeschichte erfragen (auch unter dem psychosomatischen Aspekt kann die vollständige Erhebung der bisherigen Krankengeschichte wertvoll sein).

    Im Anschluss können Fragen erläutert werden, die die Patientin hat.
    In vielen Fällen wird keine gynäkologische Untersuchung notwendig sein, trotzdem kann der Patientin der Untersuchungsablauf erklärt und gegebenenfalls ansatzweise demonstriert werden.
    Mit dem Ultraschall kann von der Bauchdecke aus die Gebärmutter mit den Eierstöcken dargestellt werden - das kann insbesondere dann von der jungen Frau als entlastend empfunden werden, wenn beispielsweise bei ihr die Menstruation noch nicht eingesetzt hat, alle anderen Mädchen der sog. „peer group“ (also Freundinnen oder Klassenkameradinnen) sie aber schon haben – damit erhält das Mädchen die Bestätigung, dass trotzdem die weiblichen Organe (auch innerlich) angelegt sind.
    Bei einem Mädchen, dass noch nie Geschlechtsverkehr hatte, sollte keine vaginale Untersuchung mit dem Spekulum oder der vaginalen Ultraschall-Sonde gemacht werden, da das zum einen nicht nötig ist und zum anderen auch traumatisierend empfunden werden kann. Ein Spekulum kann der Patientin aber gezeigt und erklärt werden. Ausnahme ist natürlich eine Situation, in der eine Untersuchung medizinisch tatsächlich angezeigt wäre (z.B. bei Unterbauchschmerzen unklaren Ursprungs).

    Ab welchem Alter wird der jährliche PAP-Abstrich („Krebsvorsorge-Abstrich“) vom Gebärmutterhals empfohlen?
    Die DGGG (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe) empfiehlt jährliche PAP-Abstriche nach Aufnahme von sexueller Aktivität.
    Sollte bei einer jungen Frau bis zum 20. Lebensjahr dies noch nicht eingetreten sein, empfiehlt die DGGG die Untersuchung dennoch zu beginnen.
    Da – wie in meinem letzten Artikel zum Thema HPV-Impfung bereits geschildert – die Wahrscheinlichkeit einer „Zellveränderung am Gebärmutterhals“ (Dysplasie) ohne vorherigem Geschlechtsverkehr sehr unwahrscheinlich ist (wegen fehlender Infektionsmöglichkeit mit HPV, der nur durch sexuellen Kontakt übertragen werden kann), bin ich der Meinung, dass nicht „um jeden Preis“ untersucht werden muss. Bei vielen Jungfrauen, die über 20 Jahre alt sind, wird sich der Abstrich dennoch gut und schmerzfrei machen lassen, so dass ich das tendenziell empfehlen würde. Der damit verbundene Besuch beim Frauenarzt bietet der jungen Frau die Möglichkeit eines Gespräches.

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