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    NUTZWERT: Sachversicherungen zwischen Spanien und Deutschland

    15.04.2008 - Philipp Dyckerhoff 

    Die Deutschen gelten gemeinhin als sehr versicherungsfreudig. Das führt teilweise dazu, dass sie einzelnen Bereichen sogar überversichert sind. Wenn Deutsche nach Spanien kommen, treffen sie auf eine ganz andere Welt. Die Spanier versichern sich generell viel weniger. Einem Spanier zu erklären, warum eine Privathaftpflichtversicherung sinnvoll ist, ist eine anspruchsvolle, eventuell sogar unlösbare Aufgabe. Andererseits ist teilweise die persönliche Haftung gesetzlich beschränkt, zum Beispiel im Falle der privaten Haftung für Schäden gegenüber Dritten.
    Generell gilt, dass man private Sachversicherungen in Spanien selbst abschließen muss. Nur in wenigen Ausnahmefällen (wenn ein Deutscher zum Beispiel in absehbarer Zeit wieder nach Deutschland zurückgehen möchte), kann man auch eine deutsche Versicherung in Spanien abschließen und dies nur bei wenigen Versicherern. Andererseits gelten aus Deutschland mitgebrachte Sachversicherungen meist noch ein paar Jahre auch im Ausland, teilweise auch unbegrenzt.

    Übersicht über die wesentlichen privaten Sachversicherungen:

    Privathaftpflicht:
    Sie springt ein, wenn man Dritten einen Schaden zufügt. Die Grundlagen für diese Haftung sind in Deutschland im Bürgerlichen Gesetzbuch enthalten. Generell besteht ein in der Höhe unbegrenzter Anspruch des Geschädigten auf Wiederherstellung des Zustandes, der vor der Schädigung bestand. Daher werden in Deutschland auch sehr hohe Versicherungssummen angeboten, teilweise bis zu zehn Millionen Euro und mehr. Allerdings gilt zum Beispiel bei Sachschäden, dass entweder die Reparatur oder der Zeitwert der zerstörten Sache ersetzt werden.

    In Spanien spielt die Privathaftpflicht eine untergeordnete Rolle. Die Haftung ist je nach Art der Schädigung gesetzlich begrenzt auf sechsstellige Summen. Die Privathaftpflicht ist in Spanien in den meisten Hausratversicherungen mit integriert, man kann sie allerdings auch alleine abschließen.

    Gute deutsche Privathaftpflichtversicherungen haben mehrere Jahre oder sogar unbegrenzte Gültigkeit im europäischen Ausland. Allerdings bezieht sich das Wort „unbegrenzt“ meist nur auf vorübergehende Auslandsaufenthalte. Das klingt etwas paradox, zeigt aber die auch seitens der Gesellschaften teils recht unklaren Regelungen. Es kommt immer wieder vor, dass Deutsche in Spanien noch eine deutsche Privathaftpflichtversicherung haben, deren Gültigkeit auf einige Jahre begrenzt war und tatsächlich schon abgelaufen ist. Dies kann um Zweifelsfall unangenehme Folgen haben, weil dann möglicherweise gar kein Versicherungsschutz mehr besteht.

    In Spanien sollte man sich immer genau die Risiken ansehen, die tatsächlich versichert werden. Einige Gesellschaften bieten „Sparversionen“ an, die keinen ausreichenden Versicherungsschutz bieten. Für Haustiere, Pferde und auch Boote gilt die normale Privathaftpflicht normalerweise nicht. Bei Bedarf kann man Zusatzbausteine abschließen.

    Hausratversicherung:
    In Deutschland bietet die eine Neuwertentschädigung für die Grundrisiken Einbruchdiebstahl, Feuer, Leitungswasser, Sturm/Hagel. Als Erweiterung können z.B. auch Glasbruch und Fahrräder versichert werden. Zum Hausrat gehören Sachen, die einem Haushalt zur Einrichtung, zum Gebrauch oder Verbrauch dienen.

    Eine Hausratversicherung kann nur lokal abgeschlossen werden. Die deutsche Hausratversicherung kann (und sollte!) bei Wegzug ins Ausland außerordentlich gekündigt werden. Auch hier kommt es immer wieder vor, dass Leute schon jahrelang in Spanien leben, aber immer noch ihre deutsche Hausratversicherung bezahlen!

    In Spanien sollte man sich auch bei der Hausratversicherung die Risiken genau ansehen, die tatsächlich abgedeckt sind.

    Wohngebäudeversicherung:
    Sie ist das Pendant zur Hausratversicherung und versichert das Gebäude gegen Grundrisiken Einbruchdiebstahl, Feuer, Leitungswasser, Sturm/Hagel. In Spanien ist sie häufig mit der Hausratversicherung („contenido“) kombiniert, heißt dann „continente“. Auch hier sollte man prüfen, welche Risiken tatsächlich abgedeckt sind. Wichtig ist dies insbesondere bei Gebäuden mit mehreren Wohneinheiten, die häufig über die Eigentümergemeinschaft versichert sind. Hier ist besonders die Deckung zu prüfen – häufig bieten die spanischen Versicherer ‚Sparversionen’ an.

    Rechtsschutzversicherung:
    Sie bietet eine Kostenübernahme bei Wahrnehmung rechtlicher Interessen. In Deutschland ist die Rechtsschutzversicherung fast zu einem Modeprodukt geworden. Wer eine hat, der klagt gerne mal… Gute deutsche Rechtsschutzversicherungen gelten nach Wegzug aus Deutschland meist 2 bis 3 Jahre im europäischen Ausland. Danach verlieren sie ihre Gültigkeit.

    In Spanien ist die Rechtsschutzversicherung weniger verbreitet, es gibt aber auch hier gute Anbieter, teilweise auch deutsche Gesellschaften.

    Unfallversicherung:
    Sie schützt gegen die finanziellen Folgen von durch Unfälle verursachter Invalidität. Es gibt nur wenige Versicherer in Deutschland, die auch durch Krankheit verursachte Invalidität versichern. Gute deutsche Versicherungen bieten unbegrenzten weltweiten Schutz.

    Auch in Spanien gibt es gute Anbieter. Mit der reinen Unfallversicherung ist nicht die „seguro renta invalidez“ zu verwechseln, welche in Spanien der deutschen Berufsunfähigkeitsversicherung entspricht.

    KFZ-Versicherung:
    Die KFZ-Haftpflichtversicherung kennt jeder – ohne sie kann man in Deutschland sein Auto gar nicht zulassen. Auch in Spanien ist sie Pflicht, allerdings kann man auch ohne Versicherung fahren. Es gibt aber empfindliche Strafen, wenn man erwischt werden sollte.

    Bei der Ummeldung eines aus Deutschland mitgebrachten Autos in Spanien erkennen längst nicht alle spanischen Versicherer den deutschen Schadensfreiheitsrabatt an.

    Darüber hinaus gibt noch andere Sonderversicherungen (Surfbrett, Fotoapparat…). Häufig besitzen Deutsche, die vor Jahren nach Spanien gekommen sind, solche Policen noch. In den meisten Fällen gelten diese Versicherungen gar nicht mehr, dies ist den Betroffenen nicht bewusst. Auch wenn es sich zum Teil nur um geringe Jahresbeträge handelt, macht es Sinn, hier einmal aufzuräumen.

    Hinweis: Vorsicht bei den Versicherungen, die von Kreditkartenanbietern als Zusatzleistungen angepriesen werden. Diese leisten oft nur in Sonderfällen und bieten meist keine ausreichende Absicherung.

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