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    NUTZWERT: Sommerweihnacht am Johannistag – oder Día de San Juan

    23.06.2014 - Rafael Heberling / Barcelona für Deutsche 

    Sommerweihnacht am Johannistag – oder Día de San Juan

    oder besser: Dia de San Petardo (der hl. Knallfrosch) Feuerwerk
    Sylvester im Sommer in Katalonien (23/24.6.)

    In Deutschland sind die katholischen und gleichzeitig vorchristlichen Bräuche um das Sommer-Sonnenwendfest ein wenig in Vergessenheit geraten. Dennoch erinnere ich mich gut, dass es am Johannistag, um die kürzeste Nacht des Jahres, immer Kirmes in meinem Geburtsort gab (und es dann, wie üblich, gerne regnete im protestantischen Siegerland – ob der Liebe Gott doch katholisch ist…?).
    Immerhin ist Johannes, der Täufer, neben Maria einer der wenigen Heiligen, dessen Geburtstag man feiert, während man sonst gerne die Todestage der Heiligen zelebrierte. Das ist auch gar nicht o böse von der Kirche gemeint, wie es vordergründig klingen mag: den Todestag der Heiligen kannte man genau (oft sind die frühen Christen ja öffentlich  hingerichtet worden, wodurch dieses Hinrichtungsdatum hinlänglich bekannt und dokumentiert war), während in Ermangelung pingeliger, moderner Bürokratie der Tag der Geburt eher im Ungewissen lag.
    Der Bibel nach ist Johannes genau ein halbes Jahr älter als Jesus und die Lichtphilosophie des Glaubens geht im weitesten Sinne von Johannes aus.
    Da man in der Anfangszeit des Christentums gerne vorchristliches Brauchtum übernahm, bot sich die Lichtverstärkung der alten Sommerfeuer in der kürzesten Nacht des Jahres an, die zur Verstärkung des Lichtes, in diesem Sinne des christlichen Glaubens,  dienten.

    “Den Sommer fordern“, heißt es noch heute in Katalonien. Eine Mischung aus Walpurgisnacht und Osterfeuer schmeißt den Frühling raus und holt den Sommer rein. Dafür muss man natürlich die bösen Geister und die Hexen vertreiben. Dem Teufel auf der Nase herumtanzen und allem Bösen ein Schnippchen schlagen.

    Johannes, (Juan, Joan…) soll gesagt haben: ” Es kommt aber einer, der ist stärker als ich und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe zu schnüren” (lk.3,16).
    Schon früher wird der Glaube mit dem Licht verglichen, das über das Böse siegen wird. In Lukas 1,78 f. sagt Johannes: ” Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns das aufstrahlende Licht aus der Höhe besuchen, um uns allen zu leuchten, die in Finsternis und im Schatten des Todes sitzen”.

    Diese Lichtsymbolik aus der Bibel  spielt nicht nur zur Wintersonnenwende am Lichterbaum eine Rolle, sondern auch in der kürzesten Nacht in der Sommersonnenwende. Sobald es Nacht wurde, zündete man auch in Deutschland einst die “Rotfeuer” an. Die Unverheirateten tanzten bis zur Erschöpfung um die Feuer und wenn die Pärchen über die glühenden Kohlen sprangen ohne loszulassen, wurde dies als gutes Vorzeichen für eine bevorstehende Hochzeit gedeutet. Die Braut- oder Blumenkränze wurden dem Feuer übergeben, um alles Missgeschick mit diesem Opfer verbrennen zu lassen.

    Alles bekannt aus der Kölner Nubbel-Verrennung zum Ende des Karnevals, oder den ‘Fallas de Valencia‘, die all ihre Strohpuppen zum Ende des Winters und Begrüßung des Frühlings in der Tag-Nacht-Gleiche des Frühjahr anzünden, damit sie alle Sünden der Festlichkeit davor mit ins Fegefeuer nehmen.

    Der Geburtstag des Johannes bot sich also prima als eine Art Sommerweihnacht an. Die Bräuche waren ja schon da.

    Während Sylvester eher ein intimes, beinahe stilles Familienfest in Katalonien ist, lässt man am ‘Dia de Sant Joan‘ ordentlich die Sau raus. Knallfrösche (von Polenqualität, Spanien gibt’s nicht in Leise), Feuerwerk, Rotfeuer aller Orten. Die “Fogons”, wie hierzulande die Rotfeuer heißen, werden gerne hinter jungen Pärchen oder Verlobten entzündet und ähnlich wie beim Brauchtum der Eifel beim gemeinsamen Feuersprung als Omen für das Glück der gemeinsamen Ehe interpretiert.

    Außerdem lassen die Katalanen zu Johannis Ehren auch eine Flamme, dem Olympischen Feuer zu vergleichen, von einem Läufer durch die Landschaften Katalonies als Zeichen der Verbundenheit tragen: die Flamme des Canigó.

    Im Mittelalter war Johannes derart beliebt, dass wir es seiner Lichtphilosophie zu verdanken haben, dass die Goten hohe Fenster in ihre Kathedralen bauten. Man taufte Brote mit seinem Namen (Johannisbrot), die Johannisbeere, das Johanniskraut und vieles Andere trägt seinen Namen.

    Dabei ist es auch weitaus schöner dieses freudige Sommerfest zu seinem Gedenken zu feiern, als seinen Tod: am 29. August damals liess Salome sich nach ihrem berühmten Schleiertanz Johannes Kopf auf einem Tablett servieren, weil er nicht so funktionierte, wie sie es gerne gehabt hätte.

    Tipp: in Barcelona am Besten ab mittags schon mit ‘ner Basecap oder einem Hut auf dem Kopf herumlaufen, denn man weiß nicht so recht, von welchem Balkon der Altstadt einem gerade die Knaller um die Ohren fliegen. Die Correfocs und Colles de Diables bringen ebenfalls ihre Feuerwerkskünste mit ein, überall wird getanzt und geböllert wie in Deutschland zu Sylvester.

    Zum Johannistag gibt s ein spezielles leckeres Fladenbrot mit kandierten Früchten und Mandeln, die ‘Coca de Sant Joan‘ und im Kloster von Montserrat betet man Rosenkranz bis die Rotfeuer verglühen.

    So mancher glüht aber lieber mit Wein oder Feuerwasser durch die Johannisnacht am Vorabend des Geburtstages (der “Verbena”) und böllert die bösen Geister raus. Nichts für Schreckhafte. Es klingt wie Krieg in den Straßen Barcelonas, ist aber ein Freudenfest.

    Mehr Infos unter http://www.santjoan.bcn.cat

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