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    SCHWERPUNKT - Spanische Ausbildung: Spaniens Schulsystem fällt durch

    29.09.2007 - Clementine Kügler 

    Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat im September in Paris seine Jahresstudie zur Bildung veröffentlicht, nach der die Schulbildung in Spanien weiterhin zu wünschen übrig lässt. Beim Prozentsatz der 25- bis 34-Jährigen mit Abitur oder einem vergleichbaren Berufschulabschluss (FP) nimmt Spanien den 26. von 30 Plätzen ein. Besonders hoch ist die Zahl der Jugendlichen in Spanien, die die Schule verlassen, ohne einen Abschluss zu machen: drei von zehn Schülern gehen ohne Examen ab.Ein kleiner Teil geht einfach nicht zum Unterricht, was nicht legal ist, aber selten verfolgt wird. Eine Ausnahme sind die Eltern, die letzte Woche zu Sozialarbeit verurteilt wurden, weil sie ihre Kinder zu Hause ließen. Zu den 30 OECD-Mitgliedern gehören fast alle europäischen Länder sowie Japan, Australien, Neuseeland, Mexiko und Korea. Von den 25- bis 34-jährigen Spaniern mit Abitur oder vergleichbarem FP hat aber fast die Hälfte anschließend ein Studium oder eine hohe Berufsausbildung abgeschlossen.Lange Zeit waren in Spanien die Altlasten aus dem Franquismus zu spüren: Ende der siebziger Jahre ging ein Drittel der 12- bis 14-Jährigen gar nicht zur Schule, ein Viertel der Bevölkerung gehörte 1980 zu den funktionalen Analphabeten, verfügte also nur über ganz geringe Grundkenntnisse. Der Staat hat vergleichsweise große Anstrengungen in kürzerer Zeit unternommen, um ein demokratisches Bildungssystem aufzubauen. Heute gehört Spanien zu den Ländern, wo besonders viele Kinder aus nichtakademischen Familien ein Universitätsstudium abschließen.Ein Grund für die vorzeitigen Abgänger liegt sicher in der mangelnden Ausstattung der öffentlichen Schulen, an denen der Ausländeranteil und die Zahl derjenigen, die durchfallen, besonders hoch ist. Zu wenig Lehrer - und diese ohne praktische pädagogische Erfahrungen - unterrichten zu viele Schüler (Klassen mit 30 Schülern), auf Problemfälle und einen hohen nicht spanischsprachigen Ausländeranteil kann nicht genug eingegangen werden. Die an sich gute Idee, behinderte Kinder zu integrieren, funktioniert in der Praxis nicht, wenn nicht geschultes Personal zur Verfügung steht. Dem kann nur mit hohen Investitionen abgeholfen werden. Doch das Budget für Bildung und Erziehung liegt in Spanien mit 4,2 Prozent des Bruttoinlandproduktes unter dem europäischen Durchschnitt (5,3). Das war auch unter Aznars PP-Regierung im Jahr 2000 so. Prozentual mehr hatte die PSOE-Regierung 1995 investiert: immerhin 5,3 Prozent.Das spanische Schulsystem beginnt mit der frühen Vorschulerziehung - für Kinder zwischen drei und sechs Jahren - die nicht Pflicht ist, aber von fast allen wahrgenommen wird. Die Kinder beginnen die Schulpflicht - von sechs bis 16 Jahren - somit gut vorbereitet im Vergleich etwa zu deutschen Schulanfängern.Ein breites Angebot an öffentlichen Schulen (colegios públicos), die weit über 60 Prozent der Schüler besuchen, sowie staatlich mitfinanzierten privaten Schulen (colegios concertados) und Privatschulen unterrichtet zu 55 Prozent einen vorgegebenen gesamtspanischen Lehrplan, 45 Prozent gestalten die autonomen Regionen. Die öffentlichen Schulen sind gratis, aber die Eltern müssen das Mittagessen, die Schulbücher, Uniformen und Sportkleidung kaufen, was im September bis zu 600 Euro pro Kind kostet und an privaten Schulen schnell bei 1500 Euro liegt. Einige Autonomien subventionieren die Lehrbücher oder das Mittagessen.Nach sechs Jahren Grundschule folgt die ESO, die obligatorische Sekundärschule. Wer mit 16 die ESO abschließt, also nicht mehr als zwei Fächer nicht bestanden hat, kann zwei Jahre weiter lernen und hat dann das Abitur (Bachillerato). Eine Prüfung wird erst vor dem Studium abgelegt (Selectividad) und entscheidet wie beim Numerus Clausus über die Auswahl. 36 Prozent der Schüler gehen nach der ESO ab und beginnen eine Berufsausbildung (Formación Profesional).

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