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Barcelona für Deutsche



    SERIE: Deutschsprachige Unternehmer in Katalonien - Martin vom Stein

    22.10.2008 - Judith de la Vega 

    1. Was macht Ihr Unternehmen?
    The Shopsumer Institute beschäftigt sich mit der Beratung von Unternehmen in der Konsumgüterindustrie (sowohl Handel als auch Hersteller). Dabei decken wir insbesondere Bereiche wie das Trade Marketing, Category Management und Key Account Management ab, indem wir Mitarbeiter schulen bzw. coachen, Umstrukturierungen in der Organisation begleiten.

    2. Wie entstand Ihre Unternehmensidee?
    Nach circa elf Jahren in verschiedenen Positionen zwischen Vertrieb und Marketing beim deutschen Markenartikler Henkel, überwiegend bei deren spanischer Filiale in Barcelona, kannte ich den Markt zu Genüge. Dabei stütze ich mich insbesondere auf die von mir kreierte Figur des „Shopsumer“ – der Zusammenschluss des Shopper und des Consumer –, da ich davon überzeugt bin, dass der Endkunde unserer Branche durch moderne Technologien wie das Internet zunehmend nicht nur rein preisorientiert kauft, sondern auch sein Zeitbudget in das Kalkül einbezieht und daher Dienstleistungen wie den Kauf online und die Heimlieferung beansprucht.

    3. Warum in Katalonien?
    Schon während des Studiums in Saarbrücken absolvierte ich ein Praktikum bei Henkel in Barcelona und bekam 1996 von dort das Angebot, nach der Diplomprüfung unmittelbar in der spanischen Filiale als Marketingassistent zu beginnen. Da ich eine internationale Karriere wollte, nahm ich dieses Angebot sofort an und bin dann hier „hängengeblieben“. Im Jahr 2000 ging ich für zwei Jahre nach Deutschland in die Zentrale von Henkel in Düsseldorf und lernte einen Monat später meine jetzige (spanische) Frau bei einem Wochenende in Barcelona kennen. Na ja, alles andere versteht sich von selbst...

    4. Was war für Sie das größte Problem am Anfang?
    Da ich praktisch meine komplette Berufslaufbahn in Spanien absolviert hatte, fiel mir die Unternehmensgründung eigentlich nicht sehr schwer. Allerdings habe ich es als leichtes Handicap empfunden, dass ich nicht vor Ort beispielsweise an der ESADE oder der IESE studiert habe, denn die Kontakte aus der Studienzeit erweisen sich für viele einheimische Unternehmer als ideale Kundenquelle. Glücklicherweise habe ich im Jahr 2005 einen speziellen Kurs für Management an der IESE absolviert und dieses Defizit dadurch etwas abbauen können.

    5. Sprechen Sie Katalanisch?

    Ja, wenn es unbedingt sein muss. Ich verstehe mich allerdings seit jeher als Europäer und bevorzuge von daher Sprachen, die möglichst viele Leute sprechen, damit wir in Europa endlich mal ein bisschen näher zusammenrücken. Ich spreche also ausschliesslich Spanisch.

    6. Die meisten geschäftlichen Kontakte entstehen wo?

    Geschäftliche Kontakte in Spanien anzubahnen ist sicherlich eine hoch kulturell bedingte Angelegenheit. Der Anruf oder die email ohne eine Empfehlung oder vorherige Vorstellung über andere ist nahezu sinnlos. Von daher entstehen Kontakte insbesondere über

    - Foren, Seminare usw., bei denen man als Redner auftritt
    - Kontakte von ehemaligen Kollegen, die nun bei anderen Unternehmen in der Branche beschäftigt sind
    - Weiterempfehlungen von Kunden
    - Vereine und Interessengemeinschaften wie zum Beispiel der Kreis deutschsprachiger Führungskräfte (KDF) in Barcelona


    7. Wie wirkt sich die verordnete Zweisprachigkeit auf Ihre Firma aus?
    Bisher praktisch gar nicht. Unser Unternehmen hat keine Schilder in Spanisch an irgendeiner Fassade und aufgrund der Größe unserer Kunden, die allesamt zumindest national oder sogar international agieren, entsteht die Problematik Katalanisch – Spanisch überhaupt nicht. Außerdem genießt man als Ausländer in meiner Umgebung, insbesondere als Deutscher, so eine Art Sonderstatus, so dass alle direkt auf Spanisch umschwenken.

    8. Was raten Sie jemanden, der hier eine Firma gründen will?

    Zwei Dinge:
    1) Viel Geduld und intensivste „Personenpflege“, denn in den meisten Branchen gibt es sehr wenige „rationale“ Kaufmotive und die Entscheidungen sind langatmig.

    2) Einen langen finanziellen Atem, denn 90 Tage Zahlungsziel ist das Minimum, meistens liegt es sogar darüber. Der Cash-flow ist ein sehr kritisches Element, insbesondere in der jetzigen Krisenzeit.

    9. Welcher Unterschied zu Deutschland fällt Ihnen hier am meisten auf?

    Unendlich lange Mittagspausen. Eine sich zwar verbessernde, aber immer noch lasche Einstellung zur Pünktlichkeit. Langwierige Entscheidungsprozesse durch unendliche Meetings mit langen (unsachlichen) Redezeiten. Hang an Traditionen, für die es keine vernünftige (wirtschaftliche) Erklärung mehr gibt (zum Beispiel das Thema Eigentums- oder Mietwohnung, August = Urlaub) => da sind wir in Deutschland schon etwas praktischer.

    10. Was mögen Sie besonders an den Katalanen?

    Sie sind seriös, denken sehr unternehmerisch und genießen trotzdem das Leben. Den klassichen deutschen Spießer gibt es hier nicht!

    11. Gibt es etwas, dass Sie hier stört?

    Der politische Druck für die Durchsetzung der katalanischen Sprache und die damit verbundene Kleinstaatlichkeit. Man muss hier endlich mal kapieren, dass wir in einer Weltökonomie leben, da sind viele Dinge in dieser Richtung höchst ineffizient und bescheren Wettbewerbsnachteile. Ach ja, es könnte alles etwas billiger sein in Barcelona...

    12. Sagen Sie uns einige deutsche Marotten, die Sie nicht ablegen können?
    Strikte Pünktlichkeit. Möglichst kurze Mittagspause. Autos nicht mit Körperkontakt zum Vorder- oder Hintermann einzuparken.


    13. Können Sie ein Restaurant/ Bar empfehlen?
    Restaurants: Raco d’en Cesc, Sant Remy, Apat, Casa Pepe
    Bar: Abanico, Opium

    14. Haben Sie eine Hotelempfehlung?

    Pulitzer, Petit Palace Museum

    15. Was ist Ihr liebster Platz in Barcelona?

    Plaça del Pi unterhalb von Plaça Reial

    16. Was vermissen Sie aus der Heimat?
    Etwas mehr Bescheidenheit. Natürlich, wir befinden uns hier in einer immer noch jungen Demokratie, die wirtschaftlich einen extremen Aufschwung erlebt hat und das möchte man auch gerne zeigen. Aber in der jetztigen Phase sollte man lieber mal wieder etwas bodenständiger werden. Wer das nicht hinkriegt, wird hier eine ziemlich harte Landung erleben! Und: eine gute Currywurst!

    Das Gespräch wurde aufgezeichnet von

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