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    SERIE: Spanien heute

    14.06.2009 - Barcelona für Deutsche 

    Walter Haubrich: Spaniens literarischer Betrieb

    ...Die Literaturbeilagen in den großen spanischen Tageszeitungen – La Vanguardia, ABC, El País, El Mundo – gehören nicht nur, was die Anzahl der besprochenen Bücher betrifft, zum Besten, was an Rezensionsbeilagen in Europa existiert. Außerdem gibt es eine Reihe von Literaturzeitschriften, die zumindest von der Minderheit
    literarisch sehr Interessierter gelesen werden. Die literarischen Beilagen tun viel für die jüngeren spanischen Autoren und haben dazu beigetragen, dass die Schriftstellergeneration nach der von Cela, Delibes und Semprún jetzt auch viel gelesen wird.

    Mit dem steigenden Interesse für junge spanische Schriftsteller haben die hispanoamerikanischen Autoren an Lesern in Spanien verloren. Die großen spanischen Verlage mit Filialen in Iberoamerika wie Alfaguara und Planeta holen allerdings weiterhin jüngere Schriftsteller von der anderen Seite des Atlantiks nach Spanien. Diese erreichen jedoch nicht mehr die Verkaufserfolge und auch nicht mehr den literarischen Einfluss der Generation des sogenannten “lateinamerikanischen Booms” – von García Márquez, Vargas Llosa, Julio Cortázar, Carlos Fuentes oder Juan Rulfo.

    Soledad Puértolas, Almudena Grandes, Ignacio Martínez de Pisón, Rafael Chirbes, Enrique Vila-Matas, Javier Tomeo, der katalanisch schreibende Quim Monzó sind erfolgreiche Autoren aus der Generation der noch während der Franco-Diktatur geborenen Schriftsteller. Viele dieser Schriftsteller publizierten ihre Romane und Erzählungen im Verlag Anagrama, dessen Unabhängigkeit von großen Konzernen Jorge Herralde bisher bewahren konnte. Bei Anagrama hat auch der früh in Barcelona verstorbene Chilene Roberto Bolaños seine Romane und Erzählungen (2666, Putas asesinas) veröffentlicht. Er ist wohl der einflussreichste Schriftsteller der jüngeren Generation aus dem hispanischen Amerika.

    An der Verbreitung der Literatur Spaniens und Lateinamerikas innerhalb und außerhalb der spanischen Sprachgrenzen hat die Agentur Carmen Balcells, eine der größten literarischen Agenturen der Welt, ein besonderes Verdienst. Der Katalog der von Carmen Balcells vertretenen Autoren ist 350 Seiten stark und kann als eine Art Bibliographie der bedeutenden spanischen und hispanoamerikanischen Gegenwartsliteratur betrachtet werden. Mehreren inzwischen weltberühmten Autoren hat Carmen Balcells die Verlage für ihre ersten Bücher besorgt, so für den Nobelpreisträger García Márquez.

    Bei Vargas Llosa hatte sie fast eine Mutterrolle übernommen
    und tröstete den Autor im Kreise von nur wenigen Freunden in einer Hotelsuite Limas über dessen unerwartet schlechtes Abschneiden bei den Präsidentschaftswahlen in Peru hinweg. Europäische Verlage haben oft über die hohen Geldforderungen von Carmen Balcells geklagt, bei den letzten Romanen von García Márquez waren das über 500.000 € Vorschuss; doch schließlich wurden auch diese Übersetzungen gut verkauft, und die europäischen Verleger verloren kein Geld, schon gar nicht bei den Übertragungen der Romane von Isabel Allende ins Deutsche.

    Für Autoren aus Spanien oder Lateinamerika ist es immer noch ein hohes Ziel, in dem Katalog der von Balcells vertretenen Schriftsteller zu erscheinen. Carmen Balcells hat vor kurzem den Ehrendoktor der Autonomen Universität Barcelona erhalten. Diese Auszeichnung wird von staatlichen spanischen Universitäten nur sehr selten verliehen. Andere von tüchtigen Frauen aus dem Literaturbetrieb geführte Agenturen – Mercedes Casanova, Raquel de la Concha – sind noch keine wirkliche Konkurrenz für die Agentur Balcells, verhindern allerdings ein Monopol und leisten für die von ihnen vertretenen jungen spanischen Autoren gute Arbeit.

    Spaniens Buchproduktion ist die viertgrößte der Welt. Die Auflagen der einzelnen Bücher sind zwar nicht sehr hoch, doch die Zahl der veröffentlichten Titel ist imponierend. Dazu tragen die 19 spanischsprachigen Länder Lateinamerikas viel bei. Das Bücherangebot dort ist zum großen Teil fest in spanischer Hand...

    Lesen Sie weiter in:
    Walther L. Bernecker (Hg.)
    Spanien heute, Vervuert Verlag Ffm 2008
    ISBN 978-3-86527-418-2

    Erhältlich bei www.ibero-americana.net

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