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    SERIE: Spanier in Deutschland

    18.10.2010 - Sophie Hellriegel 

    Spanier gehen nach Deutschland, um... ja was eigentlich? Die Kälte zu genießen? Nein, ausgeschlossen. Tatsächlich verlieben sich Spanier aber immer wieder in deutsche Städte, kulturelle Liebenswürdigkeiten, menschliche Eigenheiten und schneller als sie sich versehen – stehen sie mitten im (Arbeits-)Leben. Hier entstehen Kurzporträts von Spaniern, die in Deutschland privat und beruflich ihr Glück versuchen.

    Gut gelaunt und fröhlich sitzt mir Daniel Hernández gegenüber. Er ist in Madrid geboren und lebt seit zwei Jahren in Leipzig, von Sprachkurs zu Sprachkurs tingelnd. Motiviert genug, um einen Job zu finden. Dass er vor ein paar Tagen seinen Vierzigsten gefeiert hat, merkt man ihm nun wirklich nicht an. Denn Fiesta geht auch hier, wobei Madrid dafür natürlich ein heißeres Pflaster ist. Daniel erzählt von seinen Berufschancen, die er für sich in Deutschland sieht und vom frischen Fisch, den er vermisst.

    Daniel, was hast du gemacht bevor du nach Deutschland gekommen bist?
    Ich bin Wirtschaftsingenieur, Fachrichtung Elektrotechnik und habe zusätzlich einen Master in „Facility Management“ absolviert. In Madrid habe ich bei technischen Institutionen genau in dem Bereich acht Jahre lang gearbeitet, danach zwei Jahre in Alicante.

    Und weshalb bist du nach Deutschland gekommen?
    Erstens wollte ich Deutsch lernen. Damit hatte ich bereits in Spanien im Jahr 2002 angefangen. Zweitens wollte ich meine Berufschancen erweitern. Und drittens fühle ich mich hier sehr wohl, nicht nur in Leipzig. Ich bin schon ein bisschen in Deutschland herum gereist. Ich war in Heidelberg, Hamburg, Berlin und Bremen.

    Fiel es dir leicht Fuß zu fassen?
    Ich würde sagen, nach meinem ersten Deutschkurs-Zertifikat bin ich hier richtig angekommen. Das war nach etwa sechs Monaten. Ich habe Freunde aus der Sprachschule gefunden und auch einige Deutsche. Besonders motiviert haben mich die Ratschläge meiner Lehrer von Sprach- und Volkshochschule, meiner Berater und neu gewonnenen Freunde.

    Welche Probleme oder Vorteile siehst du hier und in Spanien für dich?
    Als ich nach Deutschland kam, hatte sich die wirtschaftliche Situation in Spanien bereits verschlechtert. Deshalb habe ich über einen möglichen Aufenthalt in einem anderen Land nachgedacht, um dort zu leben und zu arbeiten. Ich dachte, Deutschland ist für den Ingenieurbereich, eine gute Wahl.
    In Spanien war die Immobilienbranche die letzten zehn Jahre ein großes Geschäft. Aber aufgrund der Wirtschaftskrise fehlen Investitionen der Unternehmen und somit entstehen auch keine neuen Baustellen. Es gibt weniger Arbeitsplätze und wenn man ein gutes Angebot findet, gibt es zu viele Bewerber auf diese Stelle. Die Löhne sind auch zu niedrig.
    Allerdings gibt es viele deutsche Unternehmen, die Niederlassungen in Spanien haben. Deshalb war mein Gedanke, dass ich mich in Deutschland auf eine neue Arbeitsstelle vorbereite und danach vielleicht die Möglichkeit habe, in Spanien zu arbeiten, falls ich hier nicht glücklich werde.

    Spielst du denn momentan mit dem Gedanken wieder nach Spanien zu ziehen?
    Im Moment nicht. Ich werde den neuen Schritt machen und hoffen, dass ich damit Erfolg habe. Danach, mal sehen.

    In welcher Situation befindest du dich gerade?
    Ich hatte mehr Schwierigkeiten meine Berufstätigkeit vorzubereiten als erwartet. Vorschriften, Fachbegriffe, spezifische Sachen kann man nicht so einfach in einem Sprachkurs lernen und deshalb brauchte ich mehr Zeit als ich dachte. Wenn ich diese Schwierigkeiten noch löse, habe ich hoffentlich gute Chancen hier. Momentan bewerbe ich mich für eine Stelle an der HTWK (Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur) in Leipzig. Und zwar mit Hilfe eines europäischen Programms der Otto-Benecke-Stiftung. Das ist eine öffentliche Institution, die versucht Migranten zu fördern und dabei Stipendien vergibt. Das Programm dauert zehn Monate, gefolgt von einem viermonatigen Praktikum in einem Unternehmen. Und theoretisch folgt nach dem Programm eine Einstellung.

    Gibt es etwas, das du besonders vermisst?
    (Lacht). Das sind Kleinigkeiten. Ich vermisse die Fischmärkte, einfach frischen Fisch. Na ja, und das Meer. Aber dafür gibt es andere Sachen hier. Ich war total überrascht, denn jede Stadt, die ich in Deutschland besucht habe, war landschaftlich toll. Die Städte sind zwar kälter aber interessant!
    Und die Leute hier sind sehr angenehm. In Spanien kann man zwar besser feiern (lacht), aber – nein, ich finde, die Deutschen feiern auch sehr gut!

    Das Interview führte Sophie Hellriegel

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