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    Selbständigkeit in Spanien

    25.01.2016 - Philipp Dyckerhoff, pd@pecuniaconsult.com 

    Wenn man sich in Spanien selbständig machen möchte, gibt es einige Besonderheiten zu beachten, die man aus Deutschland nicht kennt. Ein Vergleich.

     

    1) Sozialversicherung

    In Deutschland brauchen Selbständige keine Sozialversicherungsbeiträge abzuführen (Renten- und Arbeitslosenversicherung). Nur eine Krankenversicherung ist Pflicht: jeder, der in Deutschland seinen Wohnsitz hat, muss dort eine Krankenversicherung nach deutschem Recht haben (seit 1.1.2009). Angestellte sind Deutschland immer Sozialversicherungspflichtig.

     

    In Spanien sind Selbständige (autónomos) genau wie Angestellte auch pflichtversichert in der Sozialversicherung (Seguridad Social). Wenn man sich als „autónomo“ anmeldet, muss man wenigstens den monatlichen Mindestbeitrag von 266,14 Euro (Wert für 2016) zahlen. Der Beitrag ist also nicht abhängig vom Einkommen wie es bei Angestellten der Fall ist. Der Beitrag enthält Beiträge für die Renten- und die Arbeitslosenversicherung. Die Krankenversicherung wird in Spanien nicht durch Beiträge der Pflichtversicherten in der Sozialversicherung sondern durch die Steuer finanziert.

     

    2) Steuern

    Selbständige sind in Deutschland bei ihren Steuerthemen recht flexibel. Im ersten Jahr der Selbständigkeit zahlt man häufig gar keine Steuern, weil man ja anfangs häufig noch gar kein oder ein nur sehr geringes Einkommen hat. Es kann aber auch sein, dass das Finanzamt auf Basis von Schätzungen des Selbständigen schon im ersten Jahr eine Vorauszahlung verlangt. Die erste Steuererklärung muss man bis 31. Mai des Folgejahres einreichen. Wenn man die Steuererklärung mit Hilfe eines Steuerberaters macht, hat man bis zum 30. September des Folgejahres Zeit. Es gibt aber noch eine weitere, „letzte“ Frist für das Einreichen der Steuererklärung: das ist der 28. (oder 29.) Februar des zweiten Jahres nach dem jeweiligen Steuerjahr, also z.B. der 28. Februar 2017 für das Steuerjahr 2015. Erst danach muss man für Steuernachzahlungen einen Zins zahlen, dieser beträgt (immer noch!) 6% pro Jahr.

     

    In Abhängigkeit vom zu versteuernden Gewinn des ersten Jahres muss man in den folgenden Jahren eine quartalsweise Einkommensteuervorauszahlung an das Finanzamt leisten. Diese wird nach Einreichen der Steuererklärung mit der tatsächlichen Steuerzahlung verrechnet. Wichtig ist, dass man sich bewusst ist, dass mit der ersten Steuererklärung recht hohe Zahlungen auf einen zukommen können: die Steuer für das erste Jahr und die Vorauszahlungen für das dann laufende Jahr.

     

    Je nach Höhe des Umsatzes muss man eine monats- oder quartalsweise Umsatzsteuervorauszahlung machen. Bei geringen Umsätzen kann man sich auch ganz von der Mehrwertsteuer befreien lassen (Regelung für Kleinunternehmer).

     

    In Spanien erfolgt die Steuervorauszahlung (retención) gleich über die Rechnung des Selbständigen an seine Kunden, soweit es sich nicht um Privatleute handelt. Faktisch bedeutet das, dass der Kunde die Steuer an das Finanzamt abführt. In 2016 wurde der Wert für die „rentención“ auf 18% reduziert (früher 21%, in 2015 noch 19%). In gewissen Fällen (geringer Umsatz) kann die „rentención“ auch auf 15% festgelegt werden.  Die Frist für das Einreichen der Einkommensteuererklärung ist immer der 30. Juni des Folgejahres.

     

    Die Mehrwertsteuer muss in Spanien quartalsweise deklariert werden. Insgesamt sind die steuerlichen Fristen in Spanien sehr streng, man bekommt schon dann eine Sanktion, wenn man nur einen Tag zu spät seine Steuererklärung einreicht.

     

    3) Sonderregeln

    Viele, die sich in Spanien selbständig machen wollen und erst einmal keine oder nur geringe Einnahmen haben, werden von den monatlich gut 260 Euro für die Sozialversicherung abgeschreckt. Ein sehr gebräuchlicher Weg, der teilweise auch offiziell empfohlen wird: man stellt seine Rechnungen nur in bestimmten Monaten und meldet sich zwischendurch als Selbständiger immer wieder ab- und dann an. Sonderlich  praktikabel bzw. effizient erscheint dies dem Autor nicht.  Andererseits möchte der spanische Staat schon aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit die Selbständigkeit fördern. Daher wurden 2013 verschiedene Sonderregelungen für diejenigen eingeführt, die sich zum ersten Mal selbständig machen und ein gewisses Alter noch  nicht überschritten haben. So können Männer unter 30 und Frauen unter 35 beantragen, einen geringeren Beitrag zur Sozialversicherung für einen gewissen Zeitraum zu zahlen (bis zu 80% Reduzierung in den ersten 6 Monaten, dann nochmals 50% für 6 Monate. Dabei gibt es verschiedene Regeln, auch nach Berufgruppen differnziert. Auf der Webseite der Seguridad Social kann man die Details nachlesen (HIER).

     

    Philipp Dyckerhoff, Pecunia Consult, pd@pecuniaconsult.com

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