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    WISSENSWERT: Drum prüfe, wer sich ewig bindet!

    11.03.2013 - Susanne Schwarz / Temps Magazine 

    Großmutters mahnende Weisheit hat an Aktualität nie verloren. Und doch ist sie in sich nicht schlüssig: Wie will man vorher prüfen, was nachher eintritt? Das Leben dreht seine eigenen Schleifen. Und die sind manchmal widersprüchlich und logisch zugleich. Wenn Ehen in Krisen scheitern, ist der Weg des Auseinandergehens oft versperrt. Gemeinsames Eigentum lässt sich in mauen Zeiten nicht veräußern, Zusatzausgaben, wie neue Wohnungen sind nicht drin, selbst die Scheidung ist zu teuer. Und so bleibt man – innerlich längst getrennt – zusammen. Mit fatalen Folgen, denn zu dem finanziellen Stress gesellt sich eine hohe, psychische Anstrengung und beides zusammen zu verkraften, ist schwer. Die Wirtschaftskrise erzwingt den Zusammenhalt und fordert einen hohen emotionalen Preis. Im Jahr 2011 lag die Scheidungsrate in Spanien 17 Prozent unter der von 2006. So die Angaben des spanischen Richterrats, der Organisation, die die Richter repräsentiert. 2006 stieg die Zahl der Scheidungswilligen sprunghaft an. Eine Gesetzesänderung ermöglichte eine unkomplizierte, schnelle Trennung. Davon machten viele Gebrauch. Doch seitdem geht die Kurve kontinuierlich nach unten. José Maria Redondo, Sprecher des Richterrates, bezieht diesen Trend auf die krisenbedingt schlechten Zeiten zurück. Diese bewirken auch, dass in den Scheidungsprozessen der Streit nicht mehr um die Aufteilung des vorhandenen Besitzes geht, sondern schlich um die Frage, wer welche Schulden übernimmt. Familientherapeuten sehen Schulden inzwischen als den Ehekiller Nummer eins.

    Kommt dann noch Arbeitslosigkeit hinzu, addiert sich der sozialen Härte die Tatsache des frustrierten „Aufeinanderhockens“. Wenn dies dann zu einem Ehe-Aus führt, welches man sich jedoch nicht leisten kann, dreht sich die Spirale unweigerlich weiter und trifft mit voller Härte die Kinder. Unterhaltskosten werden gesenkt, ein weiteres Mittel, die Flucht aus der nun ungeliebten Zweisamkeit zu ermöglichen. Was Mann als probates Mittel sieht, geht abermals zu Lasten der Kinder. Und das einst mit Stolz gekaufte Eigenheim: es wird zum Klotz am Bein, den sich die Partner gegenseitig zuschieben. Altlasten sind im neuen Leben unerwünscht.

    Scheidungsanwälte sehen sich mit in den Sog der Scheidungsermüdung gezogen. Nicht nur, dass die Klientel schrumpft, sie kann auch nicht mehr im zahlen. Ihre Honorare passen sich dem Trend an und sinken. Frauen haben die schlechteren Karten. Sie verdienen meist weniger als ihre Männer. Dies und die finanzielle Sorgen um die Kinder, lässt nicht zu den Ehekäfig zu verlassen. Sie nehmen vieles dafür in Kauf. Gewalt in der Ehe: Hier geht die Kurve nach oben. Als Alternative bleibt für die Frau und ihre Kinder oft nur die Rückkehr in das Elternhaus. Manch Einer sieht in den harten Zeiten Gutes: Paare sind gezwungen sich zusammenzuraufen. Doch sind finanzielle und seelische Belastung eins schwierige Basis für den Weg in eine neue, harmonische Zweisamkeit.

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