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Barcelona für Deutsche



    WISSENSWERT: Tango – für einen heißen Sommer in Barcelona

    16.07.2014 - Rafael Heberling / Barcelona für Deutsche 

    "Warnung!!! Tango enthält im höchsten Maße Suchtpotential: Sehnsucht, Befriedigung, Leidenschaft, Freude, Verbindung, Freiheit und Entzücken! In 70 % übernimmt er Ihr Leben!"  
    – so war es vor kurzem noch im Internet als Schmunzel-Warnhinweis zu lesen. Aber mal im Ernst: kaum ein Zeitvertreib verbindet Deutschland mehr mit Barcelona und Südamerika wie der Tango. Wie in Berlin, kann man jeden Abend irgendwo in Barcelona Tango tanzen gehen. Oder einfach nur zuschauen…

    Als ich den Tango Mitte der Achziger Jahre kennen lernte, war es noch ein "subversives Bordellreptil", das sich über einige wenige Bühnen in Berlin, Dortmund und Köln in mein Herz getanzt hat: dieser Rhythmus, diese Anarchie (nicht zu verwechseln mit Chaos!) Musikalisch ständig in Auflösung, um wieder zusammen zu finden. Der Jazz, die Klassik, diese europäische Vereinigung aller Folklore zu  einer neuen Kultur in einer neuen Welt, dieser Tanz, der in enger, intimer Umarmung getanzt wird, bei dem nicht Einer führt, der Andere folgt, sondern, bei dem man nie weiß, wie er endet. Das hatte auch mich gepackt und fortan zog ich mit einer bunt zusammen gewürfelten Gruppe aus Argentinien durch die Lande, um Tango zu tanzen.

    Die Bewegungen sind eigentlich simpel: es gibt, genau genommen, nur 3 Bewegungen: lineare, Drehungen und die tangotypischen "Voleos". Aber das sensible, einfühlsame Spiel mit den Achsen, dabei die schwitzenden Körper unzertrennlich aneinander geschmiegt… ein Herz tanzt mit vier Beinen. Das ist die Herausforderung, selbst an Profis. Also genau wie im richtigen Leben. Der Rhythmus ist 2/4 Takt, also genau der Rhythmus unseres Herzschlags. Der Musiktrend spielt sich jenseits schnelllebiger Breitentauglichkeit ab, was eine Leidenschaft für Tango nachhaltig entfachen kann.

    Dieses Spiel zwischen Verlockung und Verweigerung, dieser "Tanz auf dem Vulkan. Im Mittelpunkt, das schwer atmende, juchzende und klagende, das schreiende Bandoneon. Erfunden von dem deutschen Musikalien-Händler Heinrich Band in Krefeld.
    Astor Piazzolla, der berühmte Bandoneon-Spieler, hatte sein Instrument am Rande eines Konzertes in New York einmal so beschrieben: erfunden, damit Soldaten im Felde und auf See Musik zur heiligen Messe spielen, landete es in den Bordellen von Buenos Aires beim Tango.

    Bevor der Tango Ende der Achziger Jahre Berlin und dann Europa wieder eroberte, war der Tango ein wenig im Dornröschenschlaf. Er genoss den Ruf, höchstens in Omas Augen ein Glänzen zu entfachen. Doch eine breite bürgerliche Schicht, die Alternativen suchte, entdeckte die Leidenschaften hier neu, die in ihrem Leben als Informatiker, Sozialarbeiter oder Lehrerin so fehlten. Nach der Bühnenproduktion "Tango Argentino" , die damals durch Europa tourte, flammte die Leidenschaft in der alternativen Tanzszene Berlins in den Hackeschen Höfen, in der alten Volksbühne und im Ballhaus Rixdorf auf, wo man sie heute noch liebevoll pflegt. Die Tango Welle zog abermals von Berlin und Paris aus, wie schon einmal in den 20er Jahren, um die Welt zu erobern.

    Barcelona wurde vor knapp 20 Jahren vom Tango Fieber gepackt. Zunächst nur auf den Straßen und in privatem Ambiente praktiziert, professionalisierte sich die Szene rasch. Heute kann man jeden Abend irgendwo in Barcelona Tango tanzen gehen, am Wochenende hat man sogar die Qual der Wahl zwischen mehreren Tango Lokalen.

    Argentinier, die in Barcelona leben und bisher nur Rock n Roll getanzt haben, interessierten sich plötzlich angesichts der Geschäftsmöglichkeiten mit "ihrer" landestypischen,  leidenschaftlichen Musik. Man legte dem Tango, der eigentlich ohne das Korsett einer Magistratur auf hohen Niveau im Spiel der Achsen der Tänzer improvisiert, erneut ein Schritte-Muster auf, gab Unterricht , den Schrittfolgen Namen und den Kursteilnehmern eine Art Gebrauchsanweisung, sich dem anderen Geschlecht zu nähern. Die Szene boomt und wächst von Jahr zu Jahr.

    Die schönsten Orte in Barcelona, um Tango tanzen zu gehen oder einfach nur bei einem guten Tropfen zu geniessen, sind nach wie vor "halblegale" Betriebsstätten, wie etwa der Pipa Club, wo montags erst Unterricht in Tango gegeben wird und danach ab 22.30 Uhr getanzt wird bis in den frühen Morgen. Mit Klingel und Gesichtskontrolle hat diese Bar an der Plaça Real ein wenig den Charme des Subversiven konserviert. Die Tanzfläche ist eher klein, dafür die Stimmung aber wie ein Klischee.

    Freitags im la Yumba (C/ Calabria 89, Bajos) ist es ähnlich. Oft ist es gar nicht einfach herein zu kommen, weil der Barbetrieb hier im geduldeten Graubereich der Legalität arbeitet. Dafür hat man aber oftmals schöne Tango- Theater Performances oder Lyrik, Konzerte und dazu die Getränke für nur um die 2 Euro. Es lohnt sich: die Tanzfläche ist aus Parkett, überall am Rande stehen kleine Tische in dem Backstein und Holz bewährten Saal und die kleine Bar bietet Erfrischung bei dem heißen Tanz.

    Donnerstag trifft die fast vollständige Szene sich im "Casa de Valencia" ab 22.30 Uhr (C/Corçega- Ecke Pau Claris). Hier ist alles ein wenig "legaler", der Saal über der Marmor-Piste ist klimatisiert, es gibt Verlosungen und Bekanntmachungen so ziemlich aller Veranstalter. Wer einen Überblick haben möchte, ist hier gut bedient.

    Es geht aber auch stylisch: sonntags etwa, im Casino von Barcelona unter dem Hotel Arts (gegenüber dem deutschen Konsulat). Maxi aus Argentinien hat hier eine sogenannte "Milonga" (eine Tango-Tanzveranstaltung).

    Auf diesen Veranstaltungen trifft man Leute aus aller Herren Länder. Deutsche und Österreicher sind neben Russen und Italienern die wohl häufigste Ethnie, denen man neben den Einheimischen hier begegnen kann.

    Mehr Info über Tango in Barcelona und über Tango Festivals (Sitges, Barcelona, Mallorca...) findet man unter
    http://www.tangoenbarcelona.es/
    http://www.tangosurbarcelona.com/
    http://www.barnatango.com
    http://antoniatango.com/

     

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