Barcelona
Please wait for while...
Barcelona

Barcelona für Deutsche



    WISSENSWERT: Vom Radaumacher zum Chefaufklärer

    08.03.2013 - Mallorca Magazin 

    Als Jordi Évole vor einem Jahr in Palma weilte, um eine Reportage über den Korruptionsskandal zu drehen, in den der Schwiegersohn des spanischen Königs, Iñaki Urdangarin, verwickelt ist, da klingelte plötzlich sein Telefon. Am Apparat: der ehemalige balearische PP-Ministerpräsident Jaume Matas. "Ich würde dich gerne auf einen Kaffee treffen", sagte der Ex-Politiker. Man traf sich also in einem mallorquinischen Luxushotel und heraus kam ein denkwürdiges Interview.

    Matas, gegen den damals bereits mehrere Verfahren wegen des Verdachts der Korruption liefen, erzählte freimütig, wie das gewesen war mit den Millionen-Aufträgen, die während seiner Regierungszeit an Urdangarins Stiftung "Nóos" vergeben worden waren. Auf die Frage, warum die üblichen Ausschreibungsverfahren in dem Fall umgangen wurden, entgegnete Matas: "Aber es handelte sich doch um den Herzog von Palma."

    Selten zuvor hatte ein spanischer Politiker so unumwunden zugegeben, dass er sich bei seinen Entscheidungen vom persönlichen Renommee seines Gegenübers hatte leiten lassen. Kein Wunder, dass sich die Ermittler für die Aufzeichnung interessierten und sie als Beweisstück zu den Akten nahmen.

    Nicht nur wegen dieses Coups in Palma gehört Jordi Évole fraglos zu den bekanntesten Persönlichkeiten des spanischen Fernsehens. Sein wöchentliches Programm "Salvados", das gerade sein fünfjähriges Bestehen gefeiert hat, erreicht Woche für Woche Rekordeinschaltquoten.

    Der 38-jährige Évole hat den Nerv der Zeit getroffen: Dabei tut er auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches. "Salvados" (auf Deutsch: "Gerettet") beleuchtet aktuelle Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die 45-minütige Sendung liefert Hintergrundinformationen sowie Interviews mit Betroffenen und Experten.

    So hat Évole zuletzt die Situation von Immigranten in Spanien und spanischen Emigranten in Norwegen verglichen, die spanische Schuldenkrise erklärt, die schleichende Privatisierung des spanischen Gesundheitswesens, die Probleme der hiesigen Schulen, die Krise der Bauwirtschaft und den Energiesektor.

    Évoles Geheimnis erschließt sich erst auf den zweiten Blick: Er fragt direkt und provokant, mit spielerischer Leichtigkeit, mit feiner Ironie und Witz. Am Ende bleibt das Gefühl, unterhalten und informiert worden zu sein. Ein zweites, vergleichbares Format gibt es im spanischen Fernsehen nicht.

    Évole kommt seine Vergangenheit als Komiker zugute: Bekannt wurde er im TV als "El Follonero" (auf Deutsch: "Der Radaumacher"). In dieser anarchischen Rolle ließ er unter anderem zwei schwule Uniformträger am Grab von Diktator Franco tanzen, überreichte dem Papst eine Plastikgitarre und stellte regelmäßig Spaniens Prominenz bloß. Das ist ihm auch mit Jaume Matas gelungen, auch wenn er über die Rolle als "Radaumacher" längst hinausgewachsen ist.

    Info:
    Salvados, sonntags 21.30 Uhr, La Sexta.

    Kommentare (0) :

    Artikel kommentieren
    Artikel-Archiv
    • 26.11.2018 [Kommentare: 0]

      Kommunalwahlen von Barcelona und Europawahlen

      Schreiben Sie sich in das Wählerverzeichnis ein. Wenn Sie Ihr Wahlrecht bei den Kommunalwahlen von Barcelona und den Europawahlen am 26. Mai 2019 wahrnehmen möchten, müssen Sie sich in das Wählerverzeichnis einschreiben. Voraussetzungen für die Einschreibung: - Sie besitzen die Staatsbürgerschaft eines Landes der Europäischen Union... Artikel weiterlesen

    • 16.11.2018 [Kommentare: 0]

      Serie: Die bekanntesten spanischen Erfindungen der Geschichte

      Fregona. Putzlappen am Stiel: das ist der altbekannte Wischmopp sowie der dazugehörige Eimer mit aufgestecktem Sieb der 1956 von dem Raumfahrtingenieur und Unternehmer Manuel Jalón Corominas aus La Rioja erfunden wurde. Eine simple Idee mit großer Wirkung. Die Hausfrauen mussten nicht mehr mühselig auf den Knien den nassen Feudel schwinge.. Artikel weiterlesen

    • 05.11.2018 [Kommentare: 0]

      Madrid, Hauptstadt des Lärms

      Ob Baustellen, Verkehrslärm oder Straßenmusik - die Bewohner des Zentrums von Madrid sind tagtäglich einer enormen Geräuschbelastung ausgesetzt. Der nächtliche Lärmpegel der Stadt liegt 27% über der Norm, gemäß der neuesten Daten von 2018 des Gemeinderates von Madrid. Auch tagsüber werden die maximalen Richtwerte der OPCAT (Ordenanza de.. Artikel weiterlesen

    • 08.10.2018 [Kommentare: 0]

      Die Bevölkerung in Spanien

      Spanien hat 46.468.102 Einwohner bei einer Bevölkerungsdichte von 92 Einwohnern pro km2. Damit liegt es an fünfter Stelle der bevölkerungsreichsten Länder der EU, ist jedoch dünner besiedelt als die meisten westeuropäischen Länder. Spaniens Hauptstadt Madrid und die zweitgrößte Stadt Barcelona sind die einzigen Millionenstädte des Landes... Artikel weiterlesen

    • 23.07.2018 [Kommentare: 0]

      Die rote Koralle, zwischen Raubbau und Erhaltung an der Costa Brava

      Die Rote Koralle, auch Edelkoralle genannt, ist ein Meerjuwel, der auch im Mittelmeer zu finden ist. Weit verbreitete Bestände gibt es an der katalanischen Küste zwischen Begur und der französischen Grenze. Aufgrund ihrer harten und ebenmäßigen Struktur wird sie schon seit Jahrhunderten zu Schmuck verarbeitet, doch ihre Bestände schrumpfe.. Artikel weiterlesen

    • 13.04.2018 [Kommentare: 1]

      Katalonien und der Verfall der EU

      Wilhelm Hofmeister in der F.A.Z. über das Verhalten in Deutschland gegenüber dem katalanischen Separatismus. Wenn zu Beginn des nächsten Jahrhunderts Historiker den Verfall der Europäischen Union und der sich daran anschließenden Konflikte auf dem Kontinent beschreiben, werden sie gewiss in der Tradition von Thukydides nach den wahren.. Artikel weiterlesen

    • 19.03.2018 [Kommentare: 2]

      Die spanische Ausländeridentitätsnummer NIE

      Was ist die NIE und wofür brauche ich sie? Die NIE (Número de Identidad de Extranjeros) ist eine Nummer zur Identifizierung von Ausländern in Spanien. Ihr Besitz ist für viele berufliche oder geschäftliche Aktivitäten unabdingbar, denn sie ist bei jeglichen Formalitäten gegenüber spanischen Behörden anzugeben und dient den ausländischen.. Artikel weiterlesen

    • 05.03.2018 [Kommentare: 0]

      Die Wiederbesiedelung der verlassenen Dörfer in Spanien

      Zahlreiche Kommunen und Nachbarschaftsverbände bieten Wohnraum gratis oder zu günstigen Monatsmieten an, um Städter auf das Land zu locken. Der progressive Wachstum der Städte seit den 50er Jahren und die Vernachlässigung der Agrarpolitik haben dazu beigetragen, dass immer mehr Menschen ihre Dörfer verlassen haben und in die Städte.. Artikel weiterlesen

    • 23.02.2018 [Kommentare: 0]

      Interview mit deutschen Unternehmern in Spanien: Karl’s, Christian Gause

      1. Was macht Ihr Unternehmen? Karl’s ist im klassischen Sinne kein Unternehmen. Wir wollen vielmehr ein neues Produkt anbieten, einen Imbiss, der in dieser Form neu ist. 2. Wie entstand Ihre Unternehmensidee? Barcelona hat eine reichhaltige und experimentelle Esskultur und Gastronomie. Das hat uns inspiriert eine weitere und neue.. Artikel weiterlesen

    • 19.02.2018 [Kommentare: 0]

      Handynutzung in Spanien

      EU-Roaming. Mit der Abschaffung der Roaming-Gebühren durch das Inkrafttreten der neuen EU-Gesetzgebung am 15. Juni 2017 braucht man sich in Zukunft bei kürzeren Auslandsaufenthalten innerhalb der Europäischen Union um keine Handyverträge oder Prepaid-Karten im Gastland mehr zu kümmern. Wer beispielsweise aus Deutschland oder Österreich in.. Artikel weiterlesen