Barcelona
Please wait for while...
Barcelona

Barcelona für Deutsche



    Informationsaustausch zwischen spanischen und deutschen Behörden

    09.10.2017 - Philipp Dyckerhoff 

    Die EU-Zinsrichtlinie war der erste Schritt in Richtung Informationsaustausch zu Finanzdaten der Bürger zwischen den Ländern der EU, anfangs nur zu Zinseinkünften (funktioniert theoretisch seit 1.7.2005, wurde aber je nach Land nur recht schleppend umgesetzt). Viele Deutsche in Spanien sind mit ihren – häufig eher geringen – Zinseinkünften in der Vergangenheit in steuerlicher Hinsicht eher „großzügig“ umgegangen, bis sie einen „blauen“ Brief vom spanischen Finanzamt erhielten, mit der Aufforderung, ihre deutschen Zinseinnahmen in Spanien zu deklarieren. Laut Doppelbesteuerungsabkommen sind deutsche Zinsen für in Spanien unbeschränkt Steuerpflichtige voll in Spanien zu versteuern. Mittlerweile gibt es Kontrollmitteilungen zwischen den Ländern der EU auch zu Einkünften wie z.B. Renten aller Art und Arbeitseinkommen.

     

    Mit dem Common Reporting Standard (CRS) haben im Herbst 2014 zuerst 51 OECD-Staaten ein multilaterales Abkommen über den automatischen Informationsaustausch in Steuersachen unterzeichnet. Mittlerweile sind dem Abkommen mehr als 100 Länder beigetreten. Die ersten 49 Länder haben mit dem Informationsaustausch im September 2017 begonnen. Dabei werden Daten wie der Kontostand zum Ende des Berichtsjahres und alle Arten von Kapitalerträgen (sogar auch solche aus Lebensversicherungen) gemeldet, das erste Mal zum Stichtag 31.12.2016.

     

    Wenn man sich die Liste der Länder anschaut, die schon 2017 mit den Meldungen beginnen wollen, sieht man, dass viele der früheren so genannten Steueroasen wohl ihr Verhalten verändert haben: die British Virgin Islands, die Cayman Islands, Liechtenstein und Luxemburg z.B. beginnen schon in 2017 mit dem Informationsaustausch (mit Daten vom 31.12.2016), Länder wie Österreich, die Schweiz und Singapur z.B. dann 2018 (mit Daten vom 31.12.2017).

     

    Damit werden Banken und Versicherungsgesellschaften in vielen Ländern zu Erfüllungsgehilfen der Finanzämter: sie sammeln steuerrelevante Daten ein, übermitteln diese zentral an das örtliche Finanzamt, welches daraufhin wiederum den Austausch mit den infrage kommenden Finanzämtern durchführt. Wer als in Spanien unbeschränkt Steuerpflichtiger Konten, Depots oder Lebensversicherungen z.B. in Deutschland hat und dort (richtigerweise) als Steuerausländer gemeldet ist, dessen Finanzdaten werden nun dem spanischen Finanzamt bekannt sein. Das wird wahrscheinlich nicht sofort alles reibungslos funktionieren, aber man sollte schon davon ausgehen, dass es nicht mehr allzu lange dauert, bis es klappt.

     

    Die Banken und Versicherungsgesellschaften sind verantwortlich für die korrekte Identifizierung ihrer Kunden und sind daher seit Anfang 2016 sehr intensiv dabei, den Steuerstatus und die Steuernummern ihrer Kunden zu klären.

     

    Vor diesem Hintergrund wird es noch wichtiger für Deutsche in Spanien, das modelo 720 (Erklärung über Auslandsvermögen) einzureichen, ggfs. besser verspätet (kalkulierbare Strafen) als gar nicht (Strafen bis zu 150% des nicht deklarierten Vermögens). Viele Detailregeln, insbesondere die unverhältnismäßig hohen Strafen, sind zwar nicht EU-konform. Spanien wurde von der EU-Kommission deswegen schon mehrfach aufgefordert, das Gesetz zu ändern, aber leider wird es diese Änderungen wohl erst dann geben, wenn Spanien – mal wieder – vom EuGH verurteilt worden ist. Zuletzt konnte man diesen Prozess bei der Erbschafts- und Schenkungssteuer beobachten, welche erst mit der Steuerreform vom 1.1.2015 so geändert wurde, dass sie nun mit EU-Recht vereinbar ist.

     

    Philipp Dyckerhoff, pd@pecuniaconsult

     

    Kommentare (0) :

    Artikel kommentieren
    Artikel-Archiv
    • 06.03.2019 [Kommentare: 0]

      Meldepflicht für Auslandsvermögen – das modelo 720 gilt vorerst weiterhin (fast) unverändert

      Alle in Spanien unbeschränkt Steuerpflichtigen (= gewöhnlicher Aufenthalt in Spanien) sollten auch dieses Jahr wieder prüfen, ob sie der Meldepflicht für Auslandsvermögen nachkommen und ihre Vermögenswerte im Ausland in einer gesonderten Steuererklärung (modelo 720) deklarieren müssen. Die Frist für das Jahr 2018 endet am 1. April 2019.. Artikel weiterlesen

    • 04.12.2018 [Kommentare: 0]

      Hintergründe zum Meldegesetz

      Das Thema Anmeldung in Deutschland beschäftigt viele Deutsche, die in Spanien ihren Wohnsitz haben. Viele der Spanien-Deutschen haben sich in Deutschland nie abgemeldet. Was ist richtig, was sind die Konsequenzen, wenn man sich nicht an die Regeln hält? Vor mittlerweile drei Jahren ist in Deutschland ein neues Meldegesetz in Kraft getret.. Artikel weiterlesen

    • 19.09.2018 [Kommentare: 0]

      Die Superreichen in Spanien - in Ziffern

      Die Zahl der Superreichen in Spanien, die ein Vermögen von mehr als 30 Millionen Euro besitzen und Vermögenssteuer zahlen, hat sich in der Zeit zwischen 2006-2016 fast verdreifacht, von 200 auf 579. Das zeigen die letzten Daten des Finanzamts – der Agencia Tributaria. Im letzten Jahr (2016/2017) ist diese Zahl sogar um 5,4% gestiegen, von.. Artikel weiterlesen

    • 13.08.2018 [Kommentare: 0]

      Besteuerung von gesetzlichen Renten zwischen Spanien und Deutschland

      Das (auch schon nicht mehr ganz) neue Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Deutschland und Spanien, das am 18.10.2012 in Kraft getreten ist, regelt im Artikel 17 die Besteuerung von Ruhegehältern und Renten. Im Gegensatz zum alten DBA von 1968, in dem das Besteuerungsrecht von gesetzlichen Renten einzig und alleine beim Wohnsitzstaa.. Artikel weiterlesen

    • 11.05.2018 [Kommentare: 2]

      Reiche Spanier und arme Deutsche?!

      Viele Deutsche machen Urlaub in Spanien. Daraus wird schnell das Vorurteil des „reichen“ deutschen Urlaubers und des „armen“ spanischen Gastgebers abgeleitet. Das dies aber nicht der Wahrheit entspricht belegen folgende Studien: Nach einer von der Europäischen Zentralbank (EZB) im Jahre 2013 durchgeführten Studie besitzen Spanier ein.. Artikel weiterlesen

    • 12.03.2018 [Kommentare: 0]

      Das „berühmte und berüchtigte“ modelo 720: Meldepflicht für Auslandsvermögen

      Alle in Spanien unbeschränkt Steuerpflichtigen (= gewöhnlicher Aufenthalt in Spanien) sollten auch dieses Jahr wieder prüfen, ob sie der Meldepflicht für Auslandsvermögen nachkommen und ihre Vermögenswerte im Ausland in einer gesonderten Steuererklärung (modelo 720) deklarieren müssen. Die Frist für das Jahr 2017 endet am 31. März 2018... Artikel weiterlesen

    • 27.02.2017 [Kommentare: 0]

      Die EU Kommission verwarnt Spanien wegen des Modelo 720

      Mitte Februar hat die EU-Kommission Spanien konkret aufgefordert, die Strafen beim Gesetz zur Deklarierung von Auslandsvermögen (modelo 720) zu reduzieren und dafür eine Frist von zwei Monaten gesetzt. Wenn innerhalb dieser Frist keine befriedigende Antwort seitens der spanischen Regierung vorliegen sollte, droht die EU-Kommission damit,.. Artikel weiterlesen

    • 01.02.2017 [Kommentare: 0]

      Alle Jahre wieder: Meldepflicht für Auslandsvermögen

      Mittlerweile zum fünften Mal sollten alle in Spanien unbeschränkt Steuerpflichtigen prüfen, ob sie erneut der Meldepflicht für Auslandsvermögen nachkommen und ihre Vermögenswerte im Ausland in einer gesonderten Steuererklärung (modelo 720) deklarieren müssen. Die Frist für das Jahr 2016 endet am 31. März 2017. Für diejenigen, die die.. Artikel weiterlesen

    • 14.12.2016 [Kommentare: 0]

      Aktuell: Nachforderungen trotz Steueramnestie 2012?

      Am 30. November ist es vier Jahre her, dass spanische Steuerschuldner mit der sog. declaración especial tributaria (modelo 750) einfaches Schwarzgeld so deklarieren konnten, dass Hacienda hierfür weder Sanktionen festsetzen noch weitere Steuern nacherheben (technisch: sie als ungerechtfertigtes Vermögen iSv Art. 39 LIRPF behandeln) durfte.. Artikel weiterlesen

    • 05.10.2016 [Kommentare: 0]

      Mieteinnahmen in Deutschland richtig versteuern

      Viele Deutsche, die in Spanien leben, besitzen eine Immobilie in Deutschland, welche sie dort vermieten.Im genannten Fall ist es in der Regel so, dass die Immobilienbesitzer in Spanien unbeschränkt steuerpflichtig sind. Man ist immer dort unbeschränkt steuerpflichtig, wo man seinen Lebensmittelpunkt hat. Unbeschränkte Steuerpflicht.. Artikel weiterlesen