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    WISSENSWERT: Staatlich geförderte Altersvorsorge in Spanien – Plan de Pensiones

    25.04.2012 - Philipp Dyckerhoff 

    Die planes de pensiones sind ein steuerlich geförderter Altersvorsorgebaustein. Man kann jedes Jahr bis zu maximal 10 000 Euro in einen solchen plan de pensiones einzahlen. Steuerlich absetzbar sind allerdings maximal 30 des Jahresnettoeinkommens, bei Gutverdienern also die maximal 10.000 Euro. Wenn man über 50 ist, sind sogar maximal 12.500 Euro möglich (steuerlich maximal absetzbar. 50 des Jahresnettoeinkommens). Dies gilt sowohl für Angestellte als auch für Selbständige.

    Ein plan de pensiones lohnt sich also umso mehr, je höher der persönliche Grenzsteuersatz ist. Ähnlich wie in Deutschland gibt es in Spanien ein progressives Steuersystem: vereinfacht gesagt, wird jeder zusätzlich verdiente Euro höher versteuert. Der maximale Steuersatz in Spanien beträgt mittlerweile 52, seit der Steuerreform der Regierung Rajoy. Bis Ende letzten Jahres hatte dieser noch bei 43 gelegen. In Deutschland liegt er bei 42 Prozent + Solidaritätszuschlag + ggfs. Kirchensteuer von acht oder neun Prozent (je nach Bundesland). Den maximalen Steuersatz erreicht man in Spanien nun allerdings erst bei einem zu versteuernden Einkommen von über 300.000 Euro. Bis ca. 53.000 Euro gelten 40, bis 120.000 Euro 47. Da es für Ehepaare kein Ehegatten-Splitting wie in Deutschland gibt, ist die Steuerbelastung in Spanien schnell höher als in Deutschland.

    Auf das im plan de pensiones angesparte Geld hat man frühestens dann Zugriff, wenn man pensioniert wird, ähnlich wie in Deutschland bei den in der Ansparphase steuerlich geförderten Altersvorsorgebausteinen (Riester- und Rüruprente sowie betriebliche Altersvorsorge, frühester Beginn der Auszahlung mit 62 Jahren).

    Man kann sich das Geld als Einmalauszahlung auszahlen oder auch verrenten lassen. Auch eine Kombination aus beidem ist möglich. Die Auszahlungen sind voll steuerpflichtig, sie zählen in Spanien als Arbeitseinkommen und werden entsprechend progressiv versteuert. Das relativiert sich allerdings, wenn man bedenkt, dass die meisten Leute im Ruhestand doch einen niedrigeren Steuersatz haben als in der ‚produktiven’ Phase. Allerdings kann eine Einmalauszahlung zu einer hohen Steuerbelastung führen und dürfte in den meisten Fällen wenig sinnvoll sein.

    Ein wesentlicher Vorteil gegenüber den typischen Altersvorsorgebausteinen in Deutschland ist es, dass man jedes Jahr völlig flexibel über seinen Sparbeitrag entscheiden kann: bis zum Maximum ist alles möglich. Die Kosten werden nicht wie in Deutschland im Voraus auf die insgesamt einzuzahlenden Beiträge berechnet. Monatliche Sparpläne sind auch möglich – für die, die sonst ihr Geld im Laufe des Jahres doch lieber ausgeben….!

    Man kann das Geld im plan de pensiones in einfache festverzinsliche Gelder (nicht sehr attraktive Rendite, gerade bei langen Laufzeiten), in Fonds (Renten, Aktien oder Mischfonds) oder auch in Versicherungslösungen mit Garantiene und/oder mit integriertem Hinterbliebenenschutz investieren. Welche Lösung für wen geeignet ist, hängt von vielen Faktoren ab und sollte in Ruhe überlegt werden.

    Jedes Jahr ab ca. November kann man sich gar nicht mehr retten vor der „Schenkeslust“ der Banken. Wenn man einen plan de pensiones abschließt, erhält man tolle Sachen. Noch besser, wenn man das Geld aus einem schon bestehenden plan de pensiones in einen neuen bei einer anderen Bank umschichtet. Je höher die Summe, desto größer das Geschenk.

    Aber, je größer die Geschenke, umso vorsichtiger sollte man sein. Denn die Marketingbudgets der Banken, die mit den Kosten für diese Aktionen belastet werden, müssen auch bezahlt werden. Es dürfte wohl klar sein, dass die Bezahlung letztlich nur vom Kunden kommen kann.

    Viel wichtiger ist aber die Tatsache, dass diese Geschenke völlig davon ablenken, worauf die Entscheidung für einen plan de pensiones beruhen sollte: ob man überhaupt einen braucht, hängt von der individuellen langfristigen Finanzplanung eines jeden ab und – gerade auch für Ausländer – von der Lebensplanung (z.B.: wie sieht die steuerlich Situation im Ruhestand voraussichtlich aus, wo wird man im Ruhestand sein, .etc.). Welcher plan de pensiones für den Einzelnen sinnvoll ist, hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab: von der bereits vorhandenen Vermögensstruktur, vom Anlagehorizont und von der individuellen Anlegermentalität. Ganzheitliche, die Gesamtsituation des Einzelnen betrachtende Beratung wäre hier angesagt, aber die findet man leider bei den spanischen Banken nur wenig.

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