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    Bedeutende Frauen Spaniens – Teil 4: Fernán Caballero

    21.01.2018 - Katharina Fahling 

    Cecilia Francisca Josefa Böhl de Faber y Larrea (1796-1877) – besser bekannt unter dem Pseudonym Fernán Caballero – war eine spanische Schriftstellerin mit deutschen Wurzeln.

     

    Ihr deutscher Vater – Johann Nikolaus Böhl von Faber –, der in Cádiz als Konsul und Kaufmann tätig war, war maßgeblich an der Entwicklung der Romantik als literarische Epoche in Spanien beteiligt, da er die Ideen der deutschen Romantik verbreitete, und damit auch die Werke seiner Tochter beeinflusste.

     

    Leben und Werk

    Caballero heiratete im Alter von 19 Jahren einen jungen Infanteriehauptmann, der allerdings bereits ein Jahr später in Puerto Rico starb. Im Jahr 1822 heiratete sie erneut in Sevilla, wo sie nun an lebte, und die Inspiration für ihre Romane und Darstellungen der ländlichen Sitten in Andalusien finden sollte. Als auch ihr zweiter und dritter Mann verstorben waren, sah sie sich allein aufgrund ihrer schwierigen wirtschaftlichen Situation dazu gezwungen, ihre Werke zu veröffentlichen: „La Gaviota“ – 1849 zunächst im französischen Original publiziert – sei zunächst eine Reaktion auf das sensationsgierige Feuilleton gewesen, da in diesem Werk die Verhaltensweise und Ausdrucksweise der Spanier ihrer Zeit dargestellt wurden. Der Roman handelt von der gescheiterten Ehe des Doktor Stein mit der Tochter eines Fischers, die die Möwe („La gaviota“) genannt wird. Diese verliebt sich in einen Stierkämpfer und verlässt ihren Ehemann, um Sängerin zu werden. Caballeros besondere Vorliebe für kurze Erzählungen mit moralischem Charakter spielten eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der spanischen Prosa, denn viele Experten sehen sie sogar als Schöpferin des modernen realistischen Romans an.

     

    Fernán Caballero   Eine der wichtigsten spanischen Märchensammlerinnen

    Doch Fernán Caballero schrieb nicht nur Romane, sondern begann ebenfalls spanische Märchen zu sammeln, die im Vergleich zu Deutschland erst spät aufgeschrieben wurden. Abgesehen von kleineren Episoden oder Motiven aus Märchen, die wie bei „La Gaviota“ in verschiedene Erzählungen eingeflochten wurden, um die Handlung auszuschmücken oder moralische Elemente hinzuzufügen, wurden Märchen in Spanien lange Zeit gewissermaßen als minderwertige Literatur angesehen. Die spanische Schriftstellerin selbst habe jedoch insbesondere das Werk der deutschen Brüder Grimm bewundert, die unermüdlich nach volkstümlichen Stoffen gesucht hätten, um die meist mündlich übertragenen Märchen vor dem Vorschwinden zu bewahren. Bei der späteren Verschriftlichung ihrer gesammelten Märchenstoffe legte Caballero besonderen Wert auf eine authentische Gestaltung, so dass die Texte gleichzeitig auch die Wesensart des andalusischen Volks widerspiegelten sollten. Auf diese Weise wurden meist Sevilla oder Cádiz zum Schauplatz ihrer Märchen.

     

    Leider ist Fernán Caballero als Autorin trotz der bedeutenden europäischen Märchentradition in Spanien kaum bekannt. Interessant ist nur, dass ein Dorf in der spanischen Region Castilla-La Mancha ebenfalls Fernán Caballero heißt – ob ein Zusammenhang mit der Autorin besteht, ist allerdings nicht bekannt.

     

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